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Dennis Banks starb am 29.10.17 aufgrund von Problemen nach einer Herz-Operation. Er wurde 80 Jahre alt. Mit ihm stirbt nach Russel Means eine weitere Legende von AIM.
Dennis BAnks in StuttgarrtFoto: Monika Fitzner

Dennis Banks war wie Schauspieler Adam Beach von Stamm der Ojibwa. Als Kind musste er, wie viele andere, fern von der Familie in eine Internatsschule. Er floh mehrmals nach Hause zu seiner Mutter, musste aber jedes Mal zurück ins Internat.

In den 50ern schloß sich Banks der Air Force an und diente ein paar Jahre in Japan. Nach dieser Zeit führte er ein hartes Leben in den Slums von Minneapolis. Er heiratete in den 60ern und hatte bald eine 10-köpfige Familie zu versorgen. Da er kaum etwas verdiente, war er oft gezwungen, Essen zu stehlen. Er wurde gefasst und musste für zwei Jahre ins Gefängnis. Er nutzte diese Zeit, um viel über die Belange von Amerikas Ureinwohnern zu lesen und nachzudenken und wie man sie in einer effektiven Organisation für indianische Menschenrechte vereinen konnte, ähnlich der Widerstandsbewegung der Afroamerikaner. Kurz nachdem er 1968 aus dem Gefängnis frei kam, gründeten Banks, Loon Clan Mitglied Clyde Bellecourt und Andere "AIM", das American Indian Movement.

Ende der 60er Jahre waren die Lebensumstände der indigenen Bevölkerung katastrophal. Neben der bis heute anhaltenden Armut bestimmten Rassismus und Justizwillkür das Leben. Es war nicht sicher, als Indianer im Reservat zu leben. Im Glauben, dass das Sammeln von Altkleidern und Lebensmittelspenden nicht genug waren und dass friedlicher Protest nicht ausreichte, um die Menschenrechte der Indianer einzufordern, entschlossen sie sich, konfrontativ zu agieren.

1969 schloß sich Oglala Lakota Russel Means der Bewergung an und im gleichen Jahr, bei der Besetzung von Alcatraz, trafen sie Poet und Menschenrechtsaktivist John Trudell (Santee Dakota), der AIM ebenfalls beitrat. Zu dieser Zeit war Banks noch ein heftiger Trinker. Nach einem aufrüttelnden Fast-Tod-Erlebnis im Alkohol-Rausch beschloß er, nie mehr zu trinken, sein Leben zu ändern und seine Verantwortung für AIM ernster zu nehmen. Die Mitglieder von AIM waren größtenteils Indigene, die aber im weißen Amerika aufgewachsen waren. Also machte sich Banks auf die Suche nach einer spirituellen Basis für AIM, um zu den eigenen, indianischen Wurzeln zurückzufinden. Er hatte bei den Ojibwa kaum spirituelle Zeremonien erlebt, denn zu dieser Zeit fand Spiritualität nur im Verborgenen statt. Er fand einen Medizinmann unter den Lakota auf der Rosebud Reservation: Brulé Lakota Henry Crow Dog. Der alte Mann führte Banks in die spirituelle Lebensweise der Lakota ein. Er lernte die Wirkung von Schwitzhütten-Zeremonien kennen und schätzen und wurde ein Sonnentänzer.

Später wurde Crow Dogs Sohn Leonard Crow Dog, ebenfalls Medizinmann und Heiler, einer der spirituellen Führer von AIM. Unter den Lakota fand Dennis Banks 1972 auch die Liebe seines Lebens, Darlene Nichols, genannt Kamook. Sie hatten fünf Kinder zusammen.

Höhepunkt der Aktivitäten von AIM war die Besetzung von Wounded Knee 1973. Anfangs der 70er Jahre unterstützte das FBI den machthungrigen Indianer Dick Wilson, der das Reservat der Oglala Lakota (Sioux) in Schach halten sollte. Durch manipulierte Wahlen erhob er sich zum Präsident der Oglala und verbreitete mit seinen Schlägertrupps, den GOONs, Angst und Schrecken. Auf brutalste Art und mit dem FBI im Rücken regelte er die Dinge ohne Rücksicht auf Alte, Frauen und Kinder. Die Lakota baten AIM um Hilfe und organisierten eine Besetzung von Wounded Knee, dem Ort, wo im Jahr 1890 300 Lakota Krieger, Frauen und Kinder von der US-Armee abgeschlachtet wurden.

Zur Unterstützung der indianischen Sache während der Belagerung von Wounded Knee lehnte der Schauspieler Marlon Brando den ihm für seine Rolle in Der Pate verliehenen Oscar ab. An seiner Stelle trat Sacheen Littlefeather in traditioneller Kleidung der Apachen bei der Preisverleihung auf und erklärte, Brando werde den Preis im Hinblick auf die „schlechte Behandlung der Native Americans durch die Filmindustrie“ nicht annehmen.

Nach dem Ende der Besetzung wurden viele der AIM-Aktivisten und deren Unterstützer angeklagt und vielfach zu Haftstrafen verurteilt. Marlon Brando nahm an den Gerichtsverfahren als Beobachter teil, um damit die Angeklagten – darunter die AIM-Führer Dennis Banks und Russell Means – öffentlichkeitswirksam zu unterstützen.

Auch wenn die Belagerung aufgelöst wurde, auch wenn das FBI die Oberhand bekam, „war Wounded Knee das größte Ereignis in der Geschichte der Native Amerikans im 20. Jahrhundert. Es war unsere Glanzstunde und ich bin stolz, ein Teil davon gewesen zu sein,“ sagt Banks in seiner Biographie. Der Fall hatte weltweites Aufsehen erregt und es war der Beginn einer langsamen Änderung für die indigene Bevölkerung.

Neben seinem Engagement für AIM erschien Banks auch in drei kleinen Filmrollen. Die letzte war im Film „Older than America“ / „American Evil“ von Cree-Regiesseurin Georgina Lightning. Er behandelt den Einfluss, den die Internatsschulen auf junge indigene Kinder hatten, etwas, was Banks selbst erlebte. Außerdem war er ein enger Freund von Floyd Red Crow Westerman.

Ich hatte die Ehre, Dennis Banks 2012 auf dem Indianer-Inuit-Filmfestival kennen zu lernen und zu sprechen. Ich ließ mir seine Biographie "Ojibwa warrior" signieren, die ich wärmsten empfehlen kann. Er war eine bescheidene und dennoch beeindruckende Persönlichkeit.

von Monika Fitzner One Spirit Deutschland e. V.


Literatur:

„Ojibwa Warrior“, Dennis Banks, Richard Erdoes

„Where White Men Fear to Tread: The Autobiography of Russell Means“, Russell Means und Marvin Wolf

„Lakota Woman“, Mary Crow Dog, Richard Erdoes

„Crow Dog: Four Generations of Sioux Medicine Men“ Leonard C. Dog, Richard Erdoes

 

Filme:

„A good day to die“, the Biography of Dennis Banks, 2012

„Older than America“ / „American Evil“, 2008

„Lakota Woman, Siege at Wounded Knee“, 1994

 

Links:

Totenwache: https://www.facebook.com/dennis.banks.1238

Nachruf der Tochter: https://www.facebook.com/dennis.banks.1238/videos/1684911404855028/