von Jim Drevescraft

Die alte Sportart Lacrosse, die in den letzten Jahren hauptsächlich von Studenten und auch als professioneller Sport wiederentdeckt wurde, ist eine Erfindung der nordamerikanischen Indianer. Während es auf der ganzen Welt Sportarten gibt, bei denen mit Schlägern und Bällen gespielt wird, unterscheidet sich Lacrosse hiervon durch die spezielle Ausrüstung und die kulturelle Bedeutung.  

Die Creek nannten Lacrosse auch "den kleineren Bruder des Krieges" und daher war Lacrosse, so wie es im östlichen Teil des Kontinents, der einmal zu den USA bzw. Kanada gehören würde, gespielt wurde viel mehr als nur ein sportlicher Wettbewerb. Durch die spirituelle Verbindung zu Legenden wie der Schildkröte als Mutter Erde und durch die Bezeichnung als "das Spiel des Schöpfers", hatten Lacrosse-Spiele immer eine wichtige Bedeutung, die über den reinen Sport hinausging. Sie wurden auch zu einer Möglichkeit, Streitigkeiten zu beheben und um Verbindung zur geistigen Welt aufzunehmen. 

Die Sioux-Stämme, insbesondere die Dakota, waren begeisterte Spieler, als sie noch in ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten, die heute in Wisconsin und Minnesota liegen, wohnten. Als sie in den Jahren nach 1700 Richtung Westen emigrierten, brachten sie Lacrosse auch zu befreundeten Stämmen wie z. B. den Lakota.  


Die Oglala Wild (die wilden Lakota) sind das Lacrosse-Team von Pine Ridge, welches vor kurzem nach einer zufälligen Begegnung mit einem besonderen jungen Mann namens Ben Wiegel gegründet wurde.

Dieser 18-jährige rief eine Spendenaktion unter dem Namen "Koby's Cause" ins Leben in Erinnerung an einen Teamkollegen des Lacrosse-Teams seiner High School, der Selbstmord beging. Ben schaffte es, 25 hochwertige Lacrosse-Schläger von StringKing sowie gebrauchte Schutzhelme und andere notwendige Ausstattungsgegenstände zu erhalten.

Er machte sich dann auf die lange Fahrt von Florida nach Pine Ridge, um dort einen Vortrag über Selbstmorde unter Jugendlichen zu halten (die Selbstmordrate für Teenager auf der Reservation liegt 3,5 mal höher als in den gesamten USA) und wie Lacrosse ein wertvolles Training, Ziele im Leben und positive Perspektiven vermitteln kann. 


Die Reaktion war sehr ermutigen, obwohl es noch ein weiter Weg sein wird, bis das Team komplett ausgerüstet ist. One Spirit hat bereits 300 Lacrosse Bälle zur Verfügung gestellt, jedoch werden noch weitere Ausrüstungsgegenstände dringend benötigt. Einige Erwachsene engagieren sich bei der Aufstellung des Teams, insbesondere Cory Black Feather (der auch die Läufer in der Grundschule trainiert) und Dale Pine, der die Läufer der High School trainiert. Travis Thunder Bull, der Direktor des Jugendzentrums in Allen, hat auch eine Anzahl junger Leute, die sehr gern mitmachen würden, denen jedoch die Ausrüstung fehlt, ganz zu schweigen davon, dass es Probleme mit dem Transport der Spieler gibt, da sie zum Training in Pine Ridge jedesmal eine Distanz von mehr als 80 Meilen (ca. 130  km) fahren müssen.  


Was wird gebraucht?

Lacrosse ist eine Kontaktsportart, daher werden Helme, Protektoren, Ellenbogen- und Schulterschützer, Schläger und Bälle benötigt. Das Team hat auch kein Geld, um Tore zu kaufen. T-Shirts für die Mannschaft und weitere Bekleidung wird ebenfalls noch benötigt.

Zusätzlich dazu brauchen die Wilds eine Möglichkeit für den Transport der Spieler innerhalb der Reservation von ihrem jeweiligen Zuhause zur Trainingsstätte. Cory und seine Frau fahren jede Woche mindestens 80 Meilen, um auszuhelfen. Einer der Spieler wohnt sogar auf der Standing Rock Reservation, d. h. er hat eine 4-stündige Anfahrt! Mit einem guten Auto für das Team (z. B. Kleinbus) sowie Geld für Benzin und Wartung würde ein Traum für diese begeisterten Jugendlichen und ihre erwachsenen Unterstützer Wirklichkeit.

Gibt es Begeisterung?

Cory hat erlebt, dass ein Kind versucht hat, viele Meilen zu Fuß zum Training zu laufen, so dass es letztendlich von zu Hause weggelaufen ist. Einige der Spieler mußten sich entscheiden, ob sie lieber essen oder das Training verpassen. Travis muß mit einer sehr eingeschränkten Ausrüstung klarkommen (vier Schläger), was es sehr erschwert, alle Lacrosse Begeisterten in Allen mitspielen zu lassen. Selbst einer seiner Verwandten, Leilani Richards, der lt. Ben Weigel sehr talentiert ist, ist davon betroffen.

Gut ausgestattet und mit besseren Transportmöglichkeiten (was auch bedeuten kann, genug Geld zu haben, um den einzelnen Familien zu ermöglichen, ihre Kinder zum Training zu bringen), haben die Oglala Wild das Potential, eine mächtige positive Kraft in der Gemeinschaft der Lakota zu werden, die dazu beiträgt, Selbstmorde von Teenagern zu reduzieren, den Jugendlichen einen Grund gibt, auf sich selbst stolz zu sein und den kulturell wichtigen indigenen Sport Lacrosse zu seinem angestammten Platz zurückzubringen.

Die Aufgabe von One Spirit ist es in erster Linie, den Lakota zu helfen, mittels unseres Lebensmittelprogramms eine gesunde Versorgung aufzubauen. Außerdem bieten wir aber auch Unterstützung für andere Projekte, die es den Lakota ermöglichen, sich selbst zu helfen. Unser Laufprogramm wurde zu einem großen Erfolg und es gibt nichts, was das Lacrosse-Team davon abhalten könnte, ähnlich erfolgreich zu werden. 

 

Jeder hofft, dass die Oglala Wild gut genug ausgerüstet sein werden, um an einem Gedächtnisspiel, das am 23. und 24. September in Mankato, Minnesota stattfindet, teilzunehmen. Anschließend gibt es ein Trainingslager im Oktober und, falls genug Geld da sein wird, um die Reisekosten zu decken, eine Fahrt zum Antrittsspiel beim Turtle Game (Schildkrötenspiel) in Maryland am 4. November. 

Die Schildkröte, das Symbol der Indianer für Gesundheit, Erfolg und die Mutter Erde, ist das Symbol, das für dieses Ereignis ausgewählt wurde. Es findet auf dem Lacrosse Feld in Sparks, Maryland in der Zeit von 8.00 - 18.00 Uhr statt. Hieran nehmen High School und College Teams teil. Für One Spirit und ein paar andere Service- und Umweltgruppen ist es von Nutzen. Es wäre eine tolle Erfahrung für die jugendlichen Lakota, wenn wir es einigen der Mitglieder der Wilds ermöglichen könnten, dorthin zu fahren, auch, wenn sie nur als Zuschauer da wären. Es würde ihren Horizont erweitern und ihnen eine gute Perspektive für ihr eigenes Leben geben. 

Man sagt, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Einen gesunden und kulturell wichtigen Sport für die jungen Leute der Pine Ridge Reservation zu unterstützen ist ein weiterer Punkt für One Spirit in unserer Mission, den Lakota in jeder Hinsicht zu helfen und sie auf einen guten Weg zu bringen.