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… ist es nahezu unmöglich, einen Sumpf auszutrocknen.
 
In diesem Fall resultiert der "Sumpf" aus einem der härtesten Winter, den die Reservation je erlebt hat. Die Lakota und unsere Mitarbeiter von One Spirit, die vor Ort sind, haben viele Überstunden  gemacht, um der ständig wachsenden Zahl verzweifelter Menschen Herr zu werden und so viele wie möglich mit Lebensmitteln, Feuerholz und sogar mit so grundlegenden Dingen wie sauberem und frischem Trinkwasser sowie warmer Kleidung zu versorgen. Die Versorgung anfangs des Monats durch die Regierung ist aufgrund der Haushaltssperre ausgefallen.

 

Blizzard 

Eilmeldung

Ich unterbreche mich beim Schreiben dieses Berichts als ich feststelle, dass zu der Zeit, als Pine Ridge in der letzten Woche vom zweiten verheerenden Blizzard getroffen wurde, die FEMA (Federal Emergency Management = staatliche Notfallhilfe) immer noch nicht auf Bitten des Stammes nach Katastrophenhilfe geantwortet hat. Die Situation in Pine Ridge ist so schlimm, dass selbst die Bürgermeisterin von San Juan in Puerto Rico, Frau Carmen Yulin Cruz, der das schleppende Engagement  der US-Regierung bei Notlagen aus eigener Erfahrung bekannt ist, Pine Ridge als ein weiteres Beispiel (neben Puerto Rico) dafür anführte, wie langsam und ineffizient farbigen Menschen nach Naturkatastrophen geholfen wird. Dies fällt insbesondere im Vergleich zur schnellen Reaktion der Trump Administration auf, als es um die Überflutung in Nebraska ging – jedoch waren hier in erster Linie weiße Menschen betroffen. Dies verleiht diesem Brief noch mehr Brisanz. Wir führen im Einzelnen die vielen Programme auf, die One Spirit durchführt und noch erweitert in unserem Bemühen, den Lakota zu helfen. In erster Linie wollen wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten, allerdings brauchen sie nach diesem schlimmen Winter zusätzliche Unterstützung, dieweit darüber hinaus geht. Und wenn wir sie nicht leisten, wer tut es sonst?

 

Zurück in den Sumpf …

Die vordringliche und immer noch zentrale Aufgabe, die wir uns bei One Spirit selbst gestellt haben ist es, so viele Menschen wie irgend möglich mit gesunden und nahrhaften Lebensmitteln zu versorgen. Hierbei hängt die Anzahl derjenigen, denen wir helfen können, in jedem Monat von den erhaltenen Spenden ab. Unsere bisherigen Erfolge haben zu steigender Nachfrage geführt, daher sind wir dabei, mehrere Lebensmittelverteilpunkte (Anm.: so ähnlich wie die Tafeln in Deutschland) verteilt über die Reservation einzurichten. Wir haben vor, damit in Allen zu beginnen. Je mehr Menschen von unseren Programmen erfahren, desto mehr steigt die Nachfrage und wir sind gezwungen, mehr Lebensmittel zur Verfügung zu stellen und unsere loyalen Spender um zusätzliche Spenden bitten und darum, für uns Werbung zu machen in der Hoffnung, dass wir weitere Spender bekommen.

Zwischenzeitlich haben wir auch die anderen Facetten unserer Arbeit, mit der wir den Lakota helfen wollen, sich selbst zu helfen, ausgeweitet. Wir möchten jetzt, mitten in den Blizzards und Überflutungen, den Auslieferungen von dringend benötigten Lebensmitteln sowie Brennmaterialien durch unsere fleissigen Lakota-Mitarbeiter, kurz innehalten und einen Blick auf die anderen Arbeiten werfen, die One Spirit auf der Reservation durchführt.

 

Über die Lebensmittelhilfe hinaus

Über die Okini-Liste und das Sponsorenprogramm können wir Familien mit benötigter Kleidung und anderen Dingen versorgen.
Seitdem wir diese Programme gestartet haben, erreichten tausende derartiger Spenden die Reservation. Darüber hinaus wurden auch viele persönliche Kontakte zwischen den Spendern und den Empfängern geknüpft.

 

Okini Sponsorship


Über das Holzofenprogramm, das wir im letzten Jahr eingerichtet haben, versorgen wir die Familien mit sichereren Öfen und Lüftungssystemen, um die Anzahl der Feuer, die jedes Jahr im Winter durch schadhafte Öfen ausbrechen, soweit wie möglich zu reduzieren.

Im Rahmen des Holzprogramms werden gefällte und gespendete Bäume abgeholt, zersägt und gespalten. Diese Arbeit wird von Lakota geleistet, die wir für ihre Arbeit bezahlen. Sie liefern das Brennmaterial auch an die Haushalte aus, die es am dringendsten brauchen, da sie oft mit nur einem Ofen einen ganzen Trailer heizen müssen. In vielen Haushalten leben Menschen aller Altersklassen unter einem Dach, das meistens nicht gut oder gar nicht isoliert ist. Daher ist das Holzprogramm genauso wichtig zur Erhaltung der Gesundheit wie auch das Lebensmittelprogramm.

 

Stark wie ein Büffel

Nach Jahren des Spendensammelns und der Bauarbeiten konnte das Schlachthaus im letzten Jahr endlich eröffnet werden. Momentan sind wir kurz davor, die USDA Zertifizierung zu erhalten. Durch das Schlachthaus ist es den Lakota möglich, ihre eigenen Büffel und auch Wild wie Hirsche, Antilopen, .... vor Ort zu schlachten, statt gezwungen zu sein, die Reservation zu verlassen und in einem Schlachthaus außerhalb horrende Gebühren für die Schlachtung zu bezahlen. Das Fleisch wird allen Lakota zur Verfügung stehen, sie mit gesundem Protein und darüber hinaus mit Arbeitsplätzen versorgen. Auf lange Sicht ist geplant, nach der Zertifizierung auch Fleisch außerhalb der Reservation zu verkaufen. Wir betonen nochmals: wir helfen den Lakota, sich selbst zu helfen und verteilen nicht einfach Spenden. Das Dach des Schlachthauses wurde mit Solarmodulen versehen, so dass der benötigte Strom nicht von außerhalb der Reservation bezogen und teuer bezahlt werden muß. Außerdem wurde das Jugendzentrum in Allen im letzten Juli ebenfalls mit Solarmodulen versehen. Hierfür danken wir unserem Partner Everybody Solar ganz herzlich.

 

Charging Buffalo House

 

Bio und ortsnah

One Spirit hat im vergangenen Jahr begonnen, mit Biobauern zusammenzuarbeiten, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen. Erstens hat uns dies ermöglicht, gesunde Produkte, die auf der Reservation angebaut wurden, in unser monatliches Lebensmittelprogramm zu integrieren. Diese Produkte wollen wir in Zukunft auch in den Tafeln anbieten. Zweitens sind wir in der glücklichen Lage, Menschen vor Ort gefunden zu haben, die sich mit Gartenbau auskennen und andere anleiten können, damit sie in der Lager sind, sich einen eigenen Garten einzurichten. Wenn wir das nun mit der großzügigen Unterstützung einiger Farmer von außerhalb der Reservation verbinden, sind wir in der Lage, die Menschen mit wesentlich gesünderem Essen, als sie von der Regierung erhalten, zu versorgen. Auf diese Weise können wir auf lange Sicht die "Essenswüste" beseitigen.

 

Different kinds of food provided

 

Das Wunder von Allen

Natürlich wäre keine Auflistung der Programme, mit denen wir auf Pine Ridge helfen und die durch Ihre Spenden erst möglich sind, komplett, wenn wir die unglaubliche Vergrößerung des Jugendzentrums bzw. Gemeindezentrums in Allen nicht erwähnen würden.

Of course, no listing of all of the wonderful programs that your donations are helping bring to the Pine Ridge Reservation would be complete without noting the incredible expansion and growth of the Allen Youth/Community Center. Aus einem einfachen Bau, mit dem wir für Jugendliche in Allen (dieser Ort wird als der ärmste in den ganzen USA angesehen) einen sicheren Ort schaffen wollten, hat sich das Jugendzentrum zu einer Anlaufstelle für alle Leute, die in der Gegend von Allen leben, gemausert. Wir betrachten es in der Zwischenzeit als Pilotprojekt für weitere Zentren in anderen Gemeinden der Reservation.

Das fortwährende Wachstum des Jugend- und Gemeindezentrums war der Grund dafür, dass wir den Namen um die Bezeichnung "Gemeinde" erweitert haben. Jennifer Richards, die Programmdirektorin, baut die angebotenen Programme ständig aus. Sie bietet für die Kinder und Jugendlichen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Kultur der Lakota, verschiedene Sportarten, Aufklärung über Drogen, Programme zur Verhinderung von Selbstmorden, ..... an und versorgt sie auch mit dem gesündesten Essen, das sie in der Woche bekommen. Das Zentrum hat sich darüber hinaus zu einem Ort entwickelt, an dem auch Erwachsene einen warmen Platz, gutes Essen, eine tolle Gemeinschaft und Unterstützung bei der Bewahrung ihrer Kultur finden.

Zusammen mit Travis Thunder Bull haben wir Pläne entwickelt, unter seiner sachkundigen Leitung Kurse im Bogenschießen, Basketball, Lauftrainings und andere Sportarten für Jugendliche anzubieten. Zusätzlich werden die Programme, wie z. B. Töpferei, die im letzten Jahr während der Sommerferien angeboten wurden, fortgesetzt. Dazu sollen dann noch Kurse in Perlenstickerei und der Anfertigung traditioneller Kleidung kommen. Wir konnten bekannte Künstler für diese Kurse gewinnen und haben die Aussicht, von weiteren unterstützt zu werden.

Darüber hinaus sind wir dabei, eine Tafel in Allen einzurichten, damit die Ärmsten vor Ort auch außerhalb der monatlichen Lebensmittellieferung etwas zu Essen bekommen können.

 

Food Truck

 

An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals bei Everybody Solar, dass wir mit ihrer Hilfe in der Lage waren, das Jugend- und Gemeindezentrum mit Solarmodulen auszustatten und es damit unabhängig von einem Stromversorgen zu machen.

Wir wurden bereits darauf angesprochen, im Bereich von Manderson ein ähnliches Jugendzentrum einzurichten. Das ist eine tolle Möglichkeit, unsere Pläne fortzuführen.

 

An vielen Fronten

Wie Sie sehen, hat One Spirit in vielen Bereichen Erfolg dabei, unserem Ziel, den Oglala Lakota zu einem gesünderen, glücklicheren und insgesamt besseren Leben zu verhelfen, näherzukommen. Unser bisheriger Erfolg, der nur durch Ihre Hilfe möglich war, hat paradoxerweise dazu geführt, dass die Bitten um Hilfe aus der gesamten Reservation ständig zunehmen. Das bedeutet, dass wir auch immer mehr Spenden benötigen, sei es in Form von Geld, Sachwerten, freiwilliger Arbeit oder sonstiger Unterstützung, die Sie uns geben können, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können.

Wir haben nie den Blick auf den Bedarf nach gesunden Lebensmitteln verloren, da wir damit einmal angefangen haben, aber wir wollten jetzt die Gelegenheit nutzen, unsere treuen Unterstützer über den gegenwärtigen Stand unserer anderen Programme zu informieren, die wir von One Spirit außerdem betreiben. Unser Team besteht aus überwiegend unbezahlten, freiwilligen Mitarbeitern im Gegensatz zu anderen gemeinnützigen Organisationen, die ihren Geschäftsführern große Gehälter bezahlen. Wir wissen auch, dass Ihre Unterstützung auf denselben Gefühlen wie unseren gegenüber den Lakota beruht, die seit der Landnahme im 19. Jahrhundert sehr schlecht behandelt wurden. Statt Mitleid zu zeigen, haben wir uns für eine Partnerschaft mit den Lakota entschieden. Wir wollen ihnen helfen, sich selbst zu helfen, ohne dass sie dabei gezwungen werden, ihre traditionelle Kultur und Werte aufzugeben.

 
Wopila Tanka sagen wir zu Ihnen allen für Ihre Unterstützung, Ihre Spenden, Ihr Verständnis und die positive Energie, die Sie zu den Lakota und One Spirit senden. Auf zu weiteren Erfolgen und zu noch mehr Freundschaft!


 
Jim Drevescraft
Freiwilliger

 

 

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