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Rock'n Roll und Lebensmittel im Land der Büffelleute

von Bamm Brewer

Das ONE Spirit Lebensmittelprogramm und das Team von der Indian Action Garage hatten ein sehr anstrengendes Wochenende. Alles war darauf ausgerichtet, die Stammesmitglieder der Oglala Lakota zu erfreuen. Diese Freude wurde ihnen bereitet durch gute Musik und das ONE Spirit Lebensmittelprogramm. In diesem Zusammenhang wurde die Indian Action Garage zu einem großen Veranstaltungsort, Reifenhändler und Lebensmittellager. Heutzutage kämpfen die Lakota gegen Armut, Selbstmord, Alkoholismus und Drogen. Musik bedeutet Leben und ONE Spirit und das Team von der Indian Action Garage haben einen großen Einfluss im Land der Lakota. Um dieser Geschichte gerecht zu werden, müßten wir den Ablauf des gesamten Wochenendes erzählen. Das Team, das für das ONE Spirit Lebensmittelprogramm arbeitet sowie die Helfer im Lager haben alles gegeben, um etwas Positives für den Lakota Stamm (oyate) zu schaffen.

Band

Freitag Abend war Heavy Metal Night unter dem Motto Metal Militia. 4 Heavy Metal Bands und meine Band, die "Crazy Indian Cowboys" spielten an diesem Abend für ein kleines illustres Publikum, zu dem auch ein paar Senioren stießen, die schauen wollten, was hier los war. Es waren alles Bands, die ihre Musik ernst nahmen und entsprechend spielten. Nun gibt es ja etwas, das man "jung im Herzen" nennt und das hat auf diese Senioren genau zugetroffen, die aus Neugierde gekommen waren. Auf jeden Fall sahen sie so aus, als hätten sie auch ihren Spaß. An einem Stand haben wir Essen und Trinken angeboten. Es gab Wasser, Tee und Kaffee. Es gab auch mal süße Limo, aber unser guter Freund Tom Richmond schlug vor, sie wegzulassen und wir stellten schnell fest, dass er recht hatte: niemand hat sie wirklich vermisst. Die Bands haben eine tolle Show abgeliefert. Das Konzert ging bis 1.00 Uhr morgens. Was uns sehr gefreut hat ist, dass uns anschließend einige der Bandmitglieder geholfen haben, den Platz aufzuräumen und für die Lebensmittelverteilung am nächsten Tag vorzubereiten. Der Boden wurde gewischt und die Tische wieder an ihren Platz gestellt. Jemand sagte: "Lasst uns ihnen beim Aufräumen helfen. Morgen helfen sie den Bedürftigen mit ihrem Lebensmittelprogramm." Das war richtig toll und um ca. 3.00 Uhr morgens waren wir fertig.

Es war nur eine kurze Nacht und ich wurde durch mein Telefon geweckt. Mark Rilings am anderen Ende der Leitung fragte mich: "Bist Du schon auf, Bamm, wir sind in Kadoka." Das Gespräch dauerte nur kurz, reichte aber, um mich vollständig aufzuwecken. Dazu kam dann noch eine eiskalte Dusche, da unser Propangas bereits vor ein paar Tagen zu Ende ging und schon saß ich wieder im Pick-up und fuhr Richtung Stadt. Am Lebensmitteltag ist immer eine bestimmte Gruppe von Leuten damit beschäftigt, das Essen zu verteilen. Mit mir waren sieben verschiedene Fahrer, 4 Helfer und Donnell Houx unterwegs. Mit diesen Leuten versorgen wir immer das ganze Ausliefergebiet innerhalb der Pine Ridge Reservation. Diesmal würde es eine ganz besondere Auslieferung für uns werden, da wir den neuen Pick-up zum ersten Mal hierfür nutzen konnten. Eine weitere Besonderheit stellten die Socken, der Käse und die neue Linsen-Chili-Mischung dar. Wir hatten uns vorgenommen, die abgelegeneren Bereiche der Reservation mit dem neuen Pick-up zu beliefern und so geschah es dann auch.

Snow covered road

Dieser Tag ist immer mit sehr viel Arbeit verbunden. Viele Autos und Pick-ups parken dann außerhalb der Indian Action Garage.Vielleicht hat es aber auch diesmal daran gelegen, dass wir das Auslieferdatum um eine Woche nach hinten verschoben haben. Als ich ankam stellte ich fest, dass zum ersten Mal alle Leute vor mir angekommen waren. Zum Glück hatte ich den Kaffee bereits in der Nacht nach der Show aufgesetzt. Als wir ins Gebäude kamen, roch es nach Kaffee und der Raum war immer noch warm. Die noch heißen Kohlen im Ofen waren gleich wieder entzündet. Danach öffneten wir das Tor, so dass Mark rückwärts mit dem Lkw, mit dem er die gesamten Lebensmittel brachte, in den Lagerraum fahren konnte. Allmählich klappt das immer besser. Sieht so aus, als sei er in der Stadt aufgewachsen, denn ein Junge vom Land hat nie Probleme damit, einen Lkw rückwärts in eine Scheune oder einen Lagerraum zu fahren. Anfangs hat er immer 2 - 3 Anläufe gebraucht.

Allmählich trafen auch die Fahrer für die Auslieferung ein. Insbesondere Donnell hatte eine schlimme Fahrt hinter sich. Sie kommt aus der nordwestlichen Ecke der Reservation, in der sie momentan 10 - 15 cm Neuschnee haben. Die Sicht war auch sehr schlecht und lag bei ca. 800 m. Sie konnte auf der gesamten Strecke nicht schneller als 50 km/h fahren. Mit sich brachte sie eine Lasagne, die sie nach einem speziellen Rezept zubereitet hatte. Diese war für ein Essen nach der Auslieferung für die Fahrer vorgesehen. Außerdem sollte es Hamburger geben. In der Zwischenzeit konnten sich unsere Leute beim Entladen des Lkws aufwärmen. Die Entladung ist mit der schwierigste Teil des ganzen Unternehmens, da die Ware auf Paletten kommt, die eigentlich mit einem Gabelstapler abgeladen werden müssen. Diesen haben wir nicht und laden daher alles von Hand ab. Das geht zwar langsamer, aber das Ergebnis ist am Ende das gleiche. Sobald der Lkw leer ist, fährt Mark weg, so dass die Auslieferfahrzeuge zum Beladen bereitgestellt werden können. Bevor sie geladen werden können, müssen die Lebensmittel noch in die einzelnen Pakete einsortiert werden. Das geht sehr routiniert vor sich und neue Helfer werden schnell eingelernt.

House Fire Victims

Ziemlich schnell wurde uns ein Problem bewußt, als das erste Auslieferfahrzeug den Lagerraum verließ. Wir stellten fest, daß niemand gekommen war, um die Auslieferung in Kyle zu übernehmen. Normalerweise wird das Auto für Kyle als zweites geladen. Da der Fahrer nicht erschienen war, zogen wir erst einmal die Fahrzeuge für die anderen Gebiete vor. Wir begannen mit Justina, die normalerweise nach Oglala fährt. Danach kamen die Autos für Porcupine und Pine Ridge, Bereich 1, 2 und 3 dran. In jedem Bereich liefern wir 25 Pakete aus. Ein Bereich geht bis Crazy Horse, einer bis East Ridge und der dritte bis North Ridge. Zum Schluß blieben noch die Autos für Allen, Batesland, Kyle und Manderson. Nachdem alles verladen war stellten wir fest, dass wir auch keinen Fahrer für Manderson hatten. Das war aber weiter kein Problem, da ich ohnehin vorhatte, mit dem neuen Pick-up über die gesamte Reservation zu fahren. Vom Fahrermangel haben wir uns nicht die Laune verderben lassen, allerdings konnten die Lebensmittel in Kyle und Manderson erst am nächsten Morgen zugestellt werden.

Cabot cheese for the food boxes

Jemand, der in Allen wohnt, rief uns an und erbot sich, die Pakete im Bereich Allen und Batesland auszuliefern. Das Disabled elder getting sockswar auch eine Erleichterung für uns. In diesem Gebiet gibt es nicht so viele Familien wie z. B. um Kyle oder Pine Ridge. Allerdings haben wir von dort bisher noch keinen Fahrer bekommen können. In Allen würde also in diesem Monat ein neuer Fahrer ausliefern und wie ich später hörte, hat er seine Sache gut gemacht und auch alles am Samstag erledigt. Die Pakete für Kyle und Manderson haben wir am Sonntag Morgen gegen 8.00 Uhr verladen und sind dann gleich losgefahren. Wir hatten eine gute Fahrt nach Kyle. Die Gegend war mir immer sympatisch und da ich dort über 10 Jahre lang die Ansagen beim Rodeo gemacht habe, kenne ich dort auch viele Leute.

Das Gebiet grenzt direkt an den schroffsten Teil der Badlands hier in Süddakota an. Nach einer kurzen Fahrt in Richtung Norden kommt man in den Bereich, in dem vor langer Zeit Stammesmitglieder gezwungen wurden, das ihnen zugesprochene Land zu verlassen, damit die Luftwaffe Bombenabwürfe im Bereich der Badlands üben konnte. Das Gebiet ist heute noch gefährlich und vom Militär eingezäunt. Einige meiner Jagdkameraden hatten kleine Geschosse mit nach Hause gebracht, nachdem sie hier gejagt hatten. Die Militärs haben sie ihnen aber wieder abgenommen und sie vor den Häusern zum Explodieren gebracht. Es stellte sich heraus, dass die Munition noch scharf war. Warum erzähle ich das? In erster Linie deshalb, weil einige der Fahrer bei der Auslieferung hier ganz nah vorbeikommen. Daher kann ich mit Fug und Recht sagen, dass diese Fahrer wirklich alles geben, um Lebensmittel zu ihren Leuten zu bringen. Wenn wir noch ein bisschen weiter nach Norden fahren, müssen wir die Leute bewaffnen und außerdem Splitterschutzwesten verteilen. Hey Jeri, ich mache nur Witze!!!!

Needs a new outhouseEs war wieder eine gute Tour und es gab dabei für mich ein paar großartige Momente, in denen ich wahrem Stolz und Mitgefühl bei meinen Leuten begegnete. Östlich von Pine Ridge wohnt ein Typ namens Curtis. Der ist richtig cool und lebt ein einem kleinen Trailer. Bei ihm gibt es nur das Allernotwendigste und keinerlei Luxus. Der Trailer hat die Maße 3,5 m x 2,4 m. Dazu hat er außerhalb noch ein kleines Plumpsklo. Er ist wirklich der "letzte richtige Indianer". Wenn man mit ihm spricht und ihm zuhört hat man das Gefühl, direkt mit der Vergangenheit verbunden zu sein. Ja, das waren damals gute Zeiten und auf der anderen Seite des Hügels befand sich ein schöner Sonnentanzplatz. Hier ist der Platz, an dem die Zeit still stand und Geld keinerlei Bedeutung hatte, das es ohnehin keines gab. Ich fragte Curtis, was er am dringendsten benötigen würde und dachte an etwas, um seinen Trailer auf Vordermann zu bringen. Er überlegte kurz und antwortete dann: "Was ich am nötigsten brauche, ist ein neues Plumpsklo". Er zeigte mir dann noch den Weg zum nächsten Haus und ich machte mich wieder auf, diesmal in eine sehr schöne Gegend.

Damaged House

Ich kam zu einem abgelegenen Haus und bemerkte, dass ein Teil der Außenverkleidung fehlte. Offensichtlich war der Schaden durch den Wind entstanden und die Isolierung war sichtbar. Ich klopfte an die Tür und ein kleines Mädchen öffnete mir. Ich fand heraus, dass der beschädigte Teil des Hauses die Außenwand ihres Zimmers war. Sie sagte mir, dass es in ihrem Zimmer deshalb immer eiskalt sei und dass das Regenwasser unterhalb des Fensters in den Raum drückt, wenn es regnet. Sie freue sich so auf den Frühling, habe aber Angst, dass alles total nass wird, wenn es regnet. Ich sprach mit ihren Eltern, die still daneben standen, während ihre Tochter die Gelegenheit beim Schopf ergriff, die Situation zu erklären. Es handelte sich um ein großes Haus. Das Problem mit der beschädigten Außenwand betrifft die Nordseite, die immer besonders von starken Winden getroffen wird. Auf jeden Fall hat sich die junge Dame über das Essenspaket gefreut, mit dem sie auch Socken und Käse von Cabot erhalten hat.

Socks donated by Warm Feet Happy Hearts

Nachdem wir zwei Tage lang von Tür zu Tür gefahren sind und die Ansammlungen von Häusern der Regierung besucht haben, kam mir ein Vergleich mit der Osterzeit: alle Eier haben dieselbe Form, aber die Kinder bemalen sie mit unterschiedlichen Farben. Genauso ist es mit den Häusern: sie haben alle dieselbe Form. Der einzige Unterschied ist die Farbe.
Jetzt können wir wieder auf zwei erfolgreiche Tage zurückblicken, an denen wir kreuz und quer über die Reservation gefahren sind. Hier zeigt sich wieder, wieviel wir erreichen können, wenn wir zusammenarbeiten. Wir haben am Freitag begonnen und waren am Sonntag immer noch unterwegs.

Ich möchte mich bei der Happy Hearts Warm Feet Organisation, Cabot Cheese, Tom Richmond, unserem Suppenmann und besonders bei Ihnen, unseren Sponsoren bedanken. Es waren wieder schöne Tage!

 

Durch diese großartigen Sponsoren waren wir in der Lage, Lebensmittel, Käse und Socken zu verteilen:

 

Käse von der Cabot Molkerei als Beigabe zu unserem Lebensmittelprogramm!

Logo Cabot Cheese

 

Shelley Gordon stiftete 700 Paar Socken und Unterwäsche für Jungen!

Warm Feet Happy Hearts (Warme Füße, glückliche Herzen) www.warmfeethappyhearts.org

"Wir geben Socken und wärmen die Füße jedes Kindes .... 10 Zehen gleichzeitig."

 


Tom Richmond (der Suppenmann) stiftete die Linsen, Gerste und Chili-Mischung

Lentils, Barley & Chili Kit

 

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