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Chokecherries

Chokecherrys (Prunus virginiana)

Auf der Pine Ridge Reservation hatten wir einen schönen Sommer und alle geplanten Aktivitäten sind bereits wieder Vergangenheit. Noch sind viele Leute, die sich das leisten können, von Powwow zu Powwow unterwegs. Unser eigenes Oglala Nation Powwow, das Rodeo und das Volksfest waren fantastisch und ich hatte die Ehre, zum 10. Mal der Ansager bei unserem Rodeo zu sein.

Jetzt spürt man bereits den Wechsel der Jahreszeit hier auf den Great Plains und es ist ein gutes Gefühl. Wir hatten so viel Regen, dass die Landschaft immer noch grün ist und erst ganz langsam schleicht sich ein herbstliches Gelb dazwischen. Die Sonnentänze sind größtenteils gehalten und alle Gebete gesprochen. In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal am Sonnentanz teilgenommen. Es war sehr schön. Wir tanzten und ich dachte dabei an ONE Spirit und alle aus unserer Gemeinschaft.

Gestern sah ich im Ort Pine Ridge einen Mann, der vor dem Sioux Nation Einkaufszentrum saß und neben sich eine große Kühlbox stehen hatte, die mit Chokecherrys (Prunus virginiana) gefüllt war. Er verkaufte sie zum Preis von 10 $ pro Gallone (ca. 3,8 l). Unsere Kinder hatten bereits selbst eine ganze Menge davon gepflückt, daher fuhr ich zunächst an ihm vorbei. Ich hielt dann aber doch, ging zu ihm zurück und unterhielt mich eine Weile mit ihm. Er hatte bereits Beeren aus 2 oder 3 Kühlboxen, die schätzungsweise je 5 Gallonen fassten, verkauft. Es lief ganz gut. Während ich wieder zu meinem Auto zurückging, wurde mir plötzlich bewußt, wie wichtig das eigentlich war, was er da tat.

Früher lebten unsere Leute als Sammler auf der Prärie. Sie taten und tun dies immer noch, um sich auf den bevorstehenden Winter vorzubereiten. Der Mann, der die Chokecherrys verkaufte, tat das, was er von seinen Vorfahren gelernt hatte. Er erzählte, dass er Beeren aus 3 Kühlboxen bereits verkaufen konnte und seine Familie dadurch in der Lage sei, Verschiedenes im Supermarkt einzukaufen und auch die eine oder andere Rechnung zu bezahlen. Er muss die Beeren innerhalb kurzer Zeit verkaufen, da sie sich, wenn sie reif sind, nur für ca. 2 Wochen halten. Danach beginnen sie auszutrocknen und werden zu Rosinen.

Dieser alte Mann tat, was getan werden musste für seine Familie und es tat gut zu sehen, dass sich jemand selbst um seine Bedürfnisse, die er im Leben hat, kümmert. Auf diese Art und Weise werden Träume wahr. Wir müssen einfach damit anfangen, daraufhin zu arbeiten. Es gibt keine Almosen, wenn es darum geht, unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Wir müssen uns selbst darum bemühen.

Das Leben auf der Reservation ist wahrlich kein Zuckerschlecken: um überleben zu können, müssen wir innerhalb des gesetzlichen Rahmen alles, was uns möglich ist, tun. Überall sind die Leute bemüht, über die Runden zu kommen. Die Rechnungen werden nicht weniger und die Lebensmittel gehen aus: es ist ein nicht enden wollender Kreislauf. Das Ganze ist hier auf der Pine Ridge Reservation noch einen Tick härter. Die Preise sind höher und wenn man 30 - 40 Meilen nach Chadron fährt, um dort billiger einzukaufen, verbraucht man den gesparten Betrag für das zusätzliche Benzin. Die gute Nachricht ist, dass wir einen Lakota Dollar Laden bekommen! Er wird bereits hier in Pine Ridge gebaut und liegt nicht weit vom Haus meiner Mutter entfernt. Durch diesen Laden wird das Geld auf der Reservation bleiben. Heute wird auf der Reservation nicht mehr so viel getrunken wie früher und die Lakota haben sich bei einer Wahl, die kürzlich stattfand, dafür entschieden, den Verkauf von Alkohol auf der Reservation zu legalisieren. Meiner Meinung nach ist der Alkohol ohnehin schon hier, dann können wir auch davon profitieren. Der einzige Weg, die Legalisierung zu akzeptieren ist, wenn wir den Gewinn aus dem Alkoholverkauf zur Unterstützung unserer Leute nutzen.

Das Lebensmittelprogramm von ONE Spirit ist immer ein Höhepunkt inmitten des harten Reservationslebens. Der Tag, an dem die Lebensmittel ausgeliefert werden, ist zum Segen für die Menschen geworden, obwohl es immer wieder Probleme gab und gibt. Wir tun jedoch unser Bestes und diesen Monat werden wir eine neue Richtung einschlagen, von der ich überzeugt bin, dass sie die Lösung der Lieferprobleme sein wird. Wir werden auf Selbstabholung umstellen, da ich der Meinung bin, dass sehr viele Leute, die auf der Liste stehen, durchaus in der Lage sind, ihr Essenspaket selbst abzuholen. Natürlich werden wir auch weiterhin die Pakete an unsere Senioren und Behinderten ausliefern. Dergestalt funktioniert auch das Commodity Programm (Lebensmittel, die von der Regierung kommen). Dies war von Anfang an so, seit die Lakota auf der Reservation leben mussten. Unser Ziel ist es, dieses Programm zu verbessern. Ich danke allen für ihr Verständnis und bitte um weitere Spenden für Lebensmittel, da es in diesem Monat sehr knapp für uns wird. Ich weiß, dass es die Leute momentan sehr schwer haben.


Herzlichst, Ihr Charles “Bamm” Brewer