A- A A+

Der Winter hat Einzug gehalten auf der Reservation

Nachts fallen die Temperaturen in den einstelligen Bereich und tagsüber bewegen sie sich um den Gefrierpunkt. In vielen Häusern kann nur mit Holz geheizt werden und unsere Leiter der Holzprogramme im Osten und Westen der Reservation bekommen täglich Anrufe mit dringenden Bitten um Holz. Wir arbeiten daran, dass das Holzprogramm autark wird, müssen aber gleichzeitig sicherstellen, dass Senioren und Familien mit Brennmaterial versorgt werden. Die Männer arbeiten oft ehrenamtlich ohne Entlohnung. Wir brauchen aber Geld für Wartung und Treibstoff für Motorsägen, Holzspalter und Pick-ups. Bei einem Preis von 150,00 $ (ca. 110,00 €) für eine gute Ladung Holz können wir den Männern eine kleine Entschädigung für ihre Mühe geben, den benötigten Treibstoff kaufen und gleichzeitig etwas zurücklegen für anfallende Reparaturen.

 

Ashley und Senior

ONE Spirit Holzauslieferung auf der Reservation

von Bamm Brewer

Ich machte eine Fahrt über die Reservation, bei der ich einige schöne Landstriche direkt durch die Windschutzscheibe meines ONE Spirit Pick-ups bewundern konnte. Es war schön, mal wieder nach Kyle und Porcupine zu fahren, da ich länger nicht mehr in dieser Gegend war. Wir mussten hier Holz abliefern und waren schon ein paar Tage im Verzug. Es war wieder kälter geworden (32° Fahrenheit / 0° C) und ich spürte die Kälte in meinen Fingern. Ich wusste, dass es an diesem Montag, der gleichzeitig unser Veteranentag (11.11.13) ist, eine schöne Fahrt werden würde. Es war auch der erste Tag, an dem ich mich wieder gut fühlte, da ich zuvor einige Tage krank gewesen war.

Es wäre der perfekte Tag gewesen, um zu Hause zu bleiben, sich eine Suppe warm zu machen und anstehende Arbeiten zu erledigen, aber nachdem ich morgens mit Jeri telefoniert hatte, machte ich mich doch auf, die Reservation zu retten. Ich fragte Ashley, ob sie Lust hätte mitzukommen und sie nahm mein Angebot auch gleich an. Nachdem wir das Holz ordentlich auf dem Pick-up verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Im Sommer hat Ashley ihren Opa durch einen Verkehrsunfall verloren. Sie trauert noch sehr um ihn und das wird auch noch eine Weile anhalten. Wir füllten unseren Tank in der Stadt, besorgten uns selbst auch etwas zu trinken und machten uns auf zur Auslieferung. Nach kurzer Zeit näherten wir uns dem Bereich Wounded Knee. Ich musste daran denken, dass es im Winter unter Umständen sehr schwierig sein kann, hier zu fahren.

Holzstapel und Helfer

Ich dachte auch an die Senioren, Frauen und Kinder, die hier für nichts gestorben sind. Immer, wenn ich hier vorbeifahre, kommt mir dieser Gedanke. (Anmerkung: er bezieht sich auf das Massaker von Wounded Knee im Jahr 1890). Doch plötzlich holte mich die Wirklichkeit wieder ein. Ich dachte an die Senioren, denen wir heute mit unseren Holzlieferungen und dem Lebensmittelprogramm jeden Monat helfen. Hierdurch verflog meine Traurigkeit. Ich wurde überwältigt von einem sehr guten Gefühl der Schönheit und Ruhe, einer Art von richtigem Frieden. Wir fuhren bei KILI Radio, der "Stimme der Lakota" vorbei und ich schaute in meinen Notizen nach, wie wir fahren mussten, um zu unserer Abladestelle zu kommen. Ich las den Namen der Empfängerin, Lenora Blue Bird, laut vor und plötzlich sagte Ashley: "Oh, Lenora Blue Bird!" Das brachte uns gedanklich wieder zurück zum Unfall ihres Opas - er war auf dem Weg, sie zu besuchen, als der Unfall passierte.

Wir fuhren in den Hof, ich klopfte an die Tür und plötzlich stand Oma Lenora vor uns: sie hört nicht mehr sehr gut, daher mussten wir "ONE Spirit" fast schreien. Sie erkannte Ashley und freute sich, sie zu sehen. Nachdem wir wieder auf der Straße waren, war Ashley sehr still und ich wusste, dass sie an ihren Opa dachte. Ich fuhr die Straße entlang und überließ mich dem Moment. Es ist doch immer gut, wenn man jemandem helfen kann. Dann dämmerte es mir plötzlich: ihr Opa hat uns hierher geschickt. Lenora war eine gute Freundin von ihm und Ashley eine seiner liebsten Enkelinnen. Es sieht so aus, als hätte er Ashley schickt, um Lenora zu helfen. Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, was für ein Segen ONE Spirit für die Lakota ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Vorfahren euch geschickt haben. Macht weiter so!

Kinder und Holzstapel

Diese Familie brauchte dringend Holz und die Kinder werden es heute Abend warm haben!

Nachdem wir das Holz in Porcupine abgeliefert hatten, war es nun Zeit für unsere letzte Abladestelle. Diese war in der Gegend von Kyle, was bedeutete, dass wir weitere 30 Meilen (ca. 50 km) fahren mussten. Es ging zu Maria am Three Mile Creek. Hier kenne ich mich sehr gut aus, da hier jedes Jahr ein Rodeo stattfindet. Ich hatte Maria vorab angerufen, damit sie wusste, dass wir zu ihr unterwegs sind. Ihr Haus war leicht zu finden, da man es schon von der Straße her sehen konnte. Ich rief sie nochmals an als ich auf das Haus zufuhr, um sicherzugehen, dass wir auch am richtigen Haus waren. Sie kam gleich raus und war sehr froh darüber, dass sie vom ONE Spirit Holzprogramm versorgt wurde. Mir war klar, dass es in der letzten Zeit keinerlei Holz in der Nähe dieses Hauses gegeben hat, da ich weder Holzsplitter noch Rindenreste oder irgendwelche andere Spuren von Holz auf dem Boden fand. Es war ein kalter Tag, die Kinder kamen trotzdem raus und wir hatten unseren Spaß dabei, den Pick-up zu entladen.

Beim Holzspalten

Die Familie bedankte sich bei ihrem Sponsor, während wir das Holz entluden. Ich scherzte und lachte mit den Kindern, die ganz scharf darauf waren, das schwere Holz vom Pick-up zu holen. Plötzlich kam mir diese Idee und ich forderte die Kinder auf, einen Teil des Holzes gleich ins Haus zu bringen. Mir kam ein Verdacht und ich erinnerte mich daran, dass sie dick angezogen aus dem Haus gekommen waren und dieses Holz vielleicht dringender als ich gedacht hatte brauchen würden. Das Haus machte einen kalten Eindruck, aber heute Abend würde es darin warm sein, dank des Sponsors dieser Familie. Als ich das erste Mal angerufen wurde, um Holz auszuliefern, wurde es zwar aufgeladen, dann wurde ich jedoch krank und konnte mehrere Tage nichts tun. Mir war klar, dass die Leute das Holz unbedingt brauchten, da es hier einfach kalt war und in beiden Häusern Senioren und Kinder zu versorgen waren. Mir wurde gesagt, dass ich schneller reagieren müsste oder einen zweiten Fahrer schicken sollte. Wenn man vom Holzprogramm auf der Westseite der Reservation kommt, hat man eine längere Anfahrt, wenn man auf die östliche Seite fahren muss. Der Pick-up von ONE Spirit ist klasse, allerdings schluckt er soviel Benzin wie ein Affe Bananensaft.

Ich verabschiedete mich von Maria und ihren netten Kindern, nachdem wir eine ordentliche Menge Holz abgeladen hatten. Als ich wegfuhr, konnte ich im Rückspiegel sehen, wie die lachten und uns zuwinkten. Es ist einfach schön, wenn man unseren Leuten helfen kann und ich dachte an den Sponsor, der dieses Holz bezahlt hatte. Wenn es ihn oder sie nicht gäbe, wäre ich niemals zum Ausliefern hierher gekommen. Es es ein tolles Gefühl. Ich habe diese Fahrt genossen und während ich wegfuhr bemerkte ich, dass auch Ashley in den Spiegel schaute. Plötzlich sagte sie: "Da ist noch Holz auf der Ladefläche". Ich antwortete: "Ja nun, wir sollte eine Ladung zu ihnen bringen und das haben wir auch getan." Aber Ashley fragte: "Können wir ihnen nicht alles geben?" Ich schaute sie an und bemerkte eine Träne in ihrem Auge, daher drehte ich um, fuhr zurück und entlud eine weitere halbe Ladung. In den Anhänger gehen ca. 2 1/2 Ladungen. Es war ein guter Tag. Bei ONE Spirit geht alles darum, den Lakota zu helfen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Sponsoren, die es uns ermöglichen, unseren Leuten zu helfen.