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Das Ereignis des Jahres im Land der Lakota

"Der Crazy Horse Ritt"

Flag bearers at Ft. Robinson

Der Crazy-Horse-Ritt war eine wundervolle Zeit; die Menschen versammelten sich wie in alten Zeiten. Die Tage vor dem Ritt waren sehr stressig, da wir noch einige Spenden auftreiben mussten. Nach dem Zusammenbruch der gesamten Kommunikation unterstützte uns der Finanzausschuss des Oglala Sioux Stammes mit der größten Summe, die wir in den 16 Jahren des Crazy Horse Rittes je erhalten haben. Der logistische Aufwand bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist höher, als mancher glauben mag, aber der mit Unterstützung vieler engagierter Helfer konnte der Ritt bestehen bleiben. 80 % der Reiter sind Jugendliche und daher ist es wichtig, dass die Schulen kurz vor dem Ritt wegen der Sommerferien geschlossen werden. Der Termin ist extra so gewählt, dass möglichst viele Kinder teilnehmen können. Das Zusammenbringen vieler Kinder, Eltern und freiwilliger Helfer ist das eigentliche Ziel des Rittes. Unsere freiwilligen Köche sind wirklich tolle Unterstützer des Rittes. Der Crazy-Horse-Ritt ist das erste Ereignis in den Sommerferien und das am besten Unterstützte im Land der Lakota aufgrund der gemeinsamen Hilfe vieler Unterstützer, Vereine, des Stammes-Finanzausschusses und von One Spirit. Sobald die Schule aus ist, begeben wir uns grundsätzlich mit diesen Jugendlichen auf eine Reise, die sie kulturell und spirituell bereichert und bei der sie einiges über die Geschichte und Traditionen ihres Volkes lernen.

Nachdem alle logistischen Fragen geklärt waren, fand eine schöne Zeremonie statt, während der eine Botschaft der heutigen Mitglieder der Kriegergesellschaft, die seinerzeit mit Crazy Horse zusammen gekämpft hat, überbracht wurde. In unserer Zeremonie bestand die Gesellschaft aus den 40 jüngsten Söhnen dieser Mitglieder, die den Ritt begleiten würden.Wir wurden angewiesen, 40 blaue Schleifen und ganz oben eine rote Schleife zu Ehren von Crazy Horse am Coupstab zu befestigen und unserer Ritt würde unter besonderem Schutz stehen. Es wurde uns auch gesagt, dass wir trotzdem noch geprüft würden, aber wenn wir beten, wird alles in Ordnung gehen. Normalerweise holen wir diese Coupstäbe am Tag vor dem Ritt hervor, um nachzusehen, ob sie in Ordnung sind, die Federn fest sitzen, etc. und sobald wir sie diesmal herausholten, verschwanden die Wolken und der Himmel klärte sich auf. Jetzt lief alles wie am Schnürchen und von da an klingelten die Telefone nonstop, da die Reiter nun eintrafen und sich anmelden wollten.

Das Motto des diesjährigen Rittes lautete „Jahr der Erneuerung“ und nach 4 Tagen heftigen Regens (der aber gebraucht wurde) klarte der Himmel endlich auf und es wurde Zeit für die Pferdenation, sich zu versammeln und sowohl die Ahnen, als auch die Krieger von heute (die Kriegsveteranen) zu ehren. Mutter Erde war schon dabei, sich nach dem großen Wellnitz-Feuer, das mehr als 10.000 Morgen Land entlang unserer Route verbrannt hatte, zu erneuern. Crazy Horse, der große Kriegshäuptling, würde uns im Geist begleiten, um unsere heutigen Krieger, die Veteranen, zu ehren. Dieses Mal hatten wir das vierte Geisterpferd dabei, nachdem wir hiermit vor 5 Jahren begonnen hatten. Am Ende des Tages, als wir die ganzen Pferdeanhänger sahen, war uns klar, dass die ganze Oglala-Nation versammelt sein musste. Dieses Mal hatte der Ritt die volle Unterstützung des ganzen Stammes und so führten Tom Poor Bear (Vizepräsident des Stammes) und Ruth Brown (Mitglied des Stammesrates) die Reiter an, als wir Fort Robinson für die Eröffnungszeremonie verließen. Präsident Brian Brewer begrüßte einige Reiter, die extra für den Ritt nach Hause gekommen waren. Anschließend nahm er auch am historischen Crazy Horse Camp nördlich von Hay Springs, Nebraska teil. Diese 5 Tage brachten Menschen aus allen Teilen unseres Landes mit Menschen selbst aus Übersee zusammen. Mittlerweile kann man also schon sagen, dass der Ritt eine international bekannte Veranstaltung geworden ist.

Bisher musste der Ritt nur einmal aufgrund schlechten Wetters verschoben werden, als es am ersten Tag allzu heftig regnete. Wir sind sehr vom Wetter abhängig und haben dabei auch schon wahrlich verregnete Tage gesehen. Diesmal gab es zum ersten Mal seit langer Zeit gar keinen Regen und wir hatten von Anfang bis Ende schönstes Wetter! Es gab auch keine größeren Verletzungen oder Ausfälle bei Mensch und Tier.

Der erste Tag, an dem alle Reiter nach Fort Robinson kommen, verlief gut. Obwohl schon mehr als 100 Pferde auf der Weide standen, kamen immer mehr Reiter an und so war alles ein bisschen chaotisch. Am Ende waren es ca. 200 Reiter, so viele wie noch nie. Es war wirklich schön, zu sehen, dass Kinder und Jugendliche aus der ganzen Reservation mit ihren Pferden gekommen waren, um Crazy-Horse-Reiter zu werden. Es waren auch Leute aus allen Teilen der USA da und „Regor der Clown“ kam das 2. Jahr in Folge. Regor, der eigentlich Roger heißt, hatte 9 Kisten mit Keksen für die Kinder mitgebracht. Er hatte eine lange Anreise von Omaha, Nebraska und ist ein ehemaliger professioneller Zirkusclown, der jetzt in Rente ist.

Der erste Tag war, wie er immer ist, nämlich lang. Auch nach all den Jahren wird er nicht kürzer. Ein professioneller Pferdetrainer einer Organisation namens RAM nahm ebenfalls am Ritt teil. Sein Team nahm am ersten Abschnitt des Rittes teil und bezeichnete anschließend den ersten Tag als „Cowboy-Killer-Day“. Am ersten Tag müssen wir eine lange Strecke bewältigen und so waren alle froh, Dixie Lee und die „High Country-Organisation“ zu sehen, die das Mittagessen vorbereitet hatten. Jim Lee hat uns mit einem großen Wassertank versorgt, um die Pferde zu tränken - nach einem 15-Meilen-Ritt wurde das dankbar angenommen!

Am ersten Tag gibt es immer viele Abwürfe, denn es gibt viele unerfahrene Reiter und Pferde. Der Abwurf des Tages war Jen Rabbit. Mir wurde erzählt, sie hätte sich einmal in der Luft überschlagen und sei dann hart auf dem Boden gelandet. Sie schüttelte sich nur einmal, stieg dann sofort wieder auf und ritt einfach weiter! Der Grund war ein loser Sattelgurt gewesen. Auch eine Reiterin aus Europa wurde abgeworfen und musste kurz ins Krankenhaus. Nichts Ungewöhnliches, denn wie gesagt, es nehmen auch viele unerfahrene Reiter teil. Aber schließlich waren wir eine gut aufeinander eingespielte Reisegruppe - man muss diesen ersten Tag erleben um zu begreifen, worum es beim Crazy-Horse-Ritt geht.

Crazy Horse Ritt - Mini Powwow

Trommelgruppe + Mädchen mit Steckenpferd

Tag 2: Der Ritt ins Bieber-Tal war wundervoll! Die 200 Reiter, nun alle sicherer im Umgang mit ihren Pferden, kamen im historischen Camp von Crazy Horse an, wo wir dann einen Tag rasten wollten. Dieser Platz wurde schon immer und gern für viele Aktivitäten während des Rittes aufgesucht. Auf unserem Ritt dorthin verlor einer der Jugendlichen das Bewusstsein, da er dehydriert war. Glücklicherweise hatten wir unser eigenes medizinisches Personal dabei. Jackie Eagle Bull arbeitet in der Notaufnahme und hat sofort die Kontrolle übernommen. Der Jugendliche wurde dann in die Notaufnahme des Krankenhauses in Chadron gebracht, die er dann auch schnell wieder verlassen konnte. Trotzdem hat er uns einen gehörigen Schrecken eingejagt. Das bereitet uns beim Ritt immer die größte Sorge: die Sicherheit der Jugendlichen. Daher sind wir dankbar, dass wir bei dem Ritt unser eigenes medizinisches Personal mit dabei haben.

Dies ist immer die kürzeste Route des Rittes und wir hatten ein tolles Abendessen bei der Black Smith Familie, die uns in Erinnerung an ihren Vater Pete großartig bekochte. Wir vermissten bei diesem Ritt auch einen unserer Chefköche, Ron Beane, der nur wenige Monate vor dem Ritt von uns gegangen war. Also hat die Black Smith Familie ihm zu Ehren eines seiner Suppenrezepte gekocht.

Der folgende Ruhe-Tag war von verschiedensten Aktivitäten geprägt. Es gab ein Mini- Powwow und verschiedene Ehrungszeremonien. Der Morgen begann mit einem Pferde-Training mit John Nicely, der für einen natürlichen Umgang mit dem Pferd wirbt.

Dann kam – erst zum 2. Mal in der Geschichte des Crazy-Horse-Rittes - unser Mini-Powwow, bei dem eigentlich jeder ein Gewinner war. Justina Brewer war die „Powwow-Direktorin“. Die zwei Trommelgruppen waren "Pine Ridge Agency" und "White River Crossing". Mona Grey Bear, eine Älteste, die den weiten Weg von Cheyenne River zu uns gekommen war, gewann den Sing-Wettbewerb der Frauen.

Nach dem Powwow führten wir eine spezielle Geisterpferd-Zeremonie mit Rick Two Dogs durch. Es war ein besonderes Jahr, denn diesmal hatten wir zum ersten Mal 4 Geisterpferde dabei. Das sind besondere Pferde. Sie sind wie ein Magnet und können die Leute von Krankheiten befreien. Die Heilkraft eines jeden dieser Pferde ist sehr stark und wir hatten 4 davon! Alle Kameras wurden ausgeschaltet, dann wurden die Pferde gebracht und eins kam noch zusätzlich mit, weil es einfach gerade vorbeilief. Der Geruch von Sage (eine Artemisia-Art) lag in der Luft und ein besonderes Lied wurde gesungen. Die Menschen bildeten einen Kreis und streckten ihre Hände aus, um die Heilkräfte der Geisterpferde zu empfangen, als die Krieger sie in der Mitte des Kreises vorbeiführten. Dann wurden die Pferde mit einem Blitz entlang ihres Kopfes bemalt und die Zeremonie damit abgeschlossen. Anschließend wurden sie mit einem Adlerflügel befächert, um sie von allem, was sie von den Zuschauern aufgenommen hatten, zu befreien. Die Pferde wurden anschließend mit Sage beräuchert und zurück zur Herde gebracht. Es war ein gutes Gefühl, in dem Kreis viele Ältere Seite an Seite mit den Jugendlichen zu sehen. Das war eine seltene spirituelle Zeremonie und die Menschen im Kreis standen zusammen, als die Pferde innerhalb des Kreises vorbeigeführt wurden.

Pferde auf der Weide

Nachdem die Pferde die 4 Runden beendet hatten, erschien der Heyoka Pferdetänzer. Er bringt jedes Jahr seinen speziellen Segen. Er erscheint plötzlich und in diesem Jahr traf dies mit der Teilnahme des vierten Geisterpferdes zusammen. Beim letzten Mal hat er die Donnerwesen mitgebracht. Dieses Mal jedoch sorgte er dafür, dass sich der Himmel aufklärte. Als er uns wieder verließ, nahm er eine der Lakotafrauen, die unter den Reitern war, mit sich. Er war für uns ein gutes Omen und seine Späße sorgten für viele lächelnde Gesichter im gesamten Lager. Alles begann als Powwow, wurde dann zur Heilungszeremonie und schließlich zu einer Namensgebungs-Zeremonie, bei welcher Dean Brewer, der seit vielen Jahren den Ritt als Fahrer unterstützt, seinen Lakotanamen erhielt. Dies war ganz sicher ein spezieller Tag und man sagt, dass, nachdem es dunkel geworden war, die Straße vom Crazy Horse Camp nach Pine Ridge aus einer einzigen dicken Staubwolke bestand, soweit man nordwärts schauen konnte. Es war das bisher größte Lager von Menschen und Pferden.

Dave Kadlecek und seine Familie waren so großzügig, uns ihr Grundstück zur Verfügung zu stellen und das Volk der Lakota darauf campieren zu lassen. Das neue saftige Gras war am Sprießen und man hörte die Truthähne der Familie. Am Ruhetag ging einer der europäischen Teilnehmer frühmorgens von Zelt zu Zelt und fragte, wem er melden könne, dass die Pferde gerade am Ausbüchsen seien. Nach einer Weile waren wir alle auf und 6 von uns rannten zu diesem Feld. Dort fanden wir ca. 100 Pferde, die grasten. Sie waren nicht länger als eine Stunde dort, aber wir wussten, wie wichtig Dave diese Weide war, also bildeten wir Teams und versuchten, die Pferde von dem Feld runter zutreiben - zu Fuß! Nach einer Weile gaben wir auf und holten uns ein paar Reiter aus dem Lager. Es war ein großes Feld und die Pferde tricksten uns immer wieder aus. So dauerte es eine ganze Weile, bis wir (3-5 Reiter und 5 Leute zu Fuß) die Pferde in die richtige Richtung bekamen. Aber dann wurde es brenzlig: Die Pferde gingen durch und galoppierten mit voller Geschwindigkeit auf das Lager zu, wo die meisten noch in ihren Zelten lagen und schliefen! Der Klang von donnernden Hufen dröhnte über die Ebene und wir konnten nur noch zusehen, wie die Herde in das Camp raste. Es wäre ein wundervoller Anblick gewesen, die Herde in vollem Galopp, wenn da nur nicht diese Zelte im Weg gewesen wären… naja, immerhin haben wir Daves Heufeld gerettet. Die Reiter im Lager, die schon wach waren, fanden, es wäre eine coole Aktion…

Geisterpferd 2013

Das größte Abenteuer beginnt, wenn sich die Lakota ihrer Wurzeln besinnen und sich wieder den Pferden zuwenden. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Hingabe zur Kultur der Lakota als Reitervolk rührte uns ein kleiner Junge aus Wounded Knee zu Tränen: Yamni Bear Runner ritt mit seinem Pferd den ganzen Weg von der Gegend um Wounded Knee/Porcupine zur alten Rodeoarena nach Pine Ridge, um dort sein Pferd auf den Lkw zu laden. Alles was er dabei hatte, waren die Kleider, die er am Leibe trug. Er hat den ganzen Ritt mitgemacht und wir haben das erst am letzten Tag bemerkt. Bis zu diesem Punkt hat er zwischen seinen Freunden und den anderen Teilnehmern durchgehalten. Das hat uns gezeigt, wie uns der Ritt wieder daran erinnert, dass wir aufeinander aufpassen und füreinander da sein müssen wie in alten Zeiten. Etwas, das heute gerne mal vergessen wird. Es zeigte die Ausdauer, innere Stärke, den Stolz, den Mut und die Disziplin, sozusagen all die Eigenschaften, die uns als Volk ausmachen und die man braucht, um ein Crazy-Horse-Reiter zu werden. Das „Jahr der Erneuerung“ hat uns frisches grüneres Gras beschert und Freunde wieder näher zusammengebracht. Die Gemeinschaft war stark und viele Eltern haben mir erzählt, wie stolz sie auf ihre Kinder waren, die an dem Ritt teilgenommen haben. Es war ein langer Ritt, aber wenn er dann vorüber ist, vermisst du die anderen Reiter und den Geruch des Lagerfeuers.

Vielen Dank an den Stammesrat der Oglala für die Unterstützung dabei, am Weg unserer Ahnen festzuhalten und die Jugend dabei zu bestärken. Nach 16 Jahren wissen wir, der Ritt ist eine Möglichkeit, unsere Kultur zu bewahren. Beim Crazy-Horse-Ritt werden die Lakota wieder zu EINEM Volk, das macht den Ritt zum Ereignis des Jahres für unseren Stamm!