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Während der zehn Jahre seit Beginn unseres Lebensmittelprogramms auf der Reservation haben wir viele Geschichten darüber gehört, wie wichtig das Lebensmittelprogramm für die Lakota Familien ist. Lehrer haben darüber berichtet, wie viele Kinder hungrig zur Schule kommen. Großeltern haben bei uns um Essen für ihre Enkelkinder gebeten, jedoch nicht für sich selbst. Jugendliche haben davon erzählt, dass sie früh ins Bett gehen, damit sie den nagenden Hunger nicht mehr spüren. Sie berichteten auch darüber wie es ist, wenn das wenige Essen, das man hat, unter vielen Personen geteilt werden muß. Im Extremfall mußte entschieden werden, wer etwas zu essen bekommen und wer nicht..

Im Juli haben wir den Einfluß unseres Lebensmittelprogramms zusammen mit Lakota Familien ausgewertet. Hier sind die Ergebnisse.

 

Wie das One Spirit Lebensmittelprogramm heute arbeitet

Durch das Lebensmittelprogramm erhalten ca. 3.000 Personen in 300 Familien jeden Monat Lebensmittel. Das Essen wird entweder an die Empfänger ausgeliefert oder von denjenigen, die in der Nähe des Verteilzentrums leben, selbst abgeholt. Darüber hinaus versorgt One Spirit das Schutzhaus, das Cohen Heim für Senioren, das Jugendzentrum in Allen und zeitweilig auch die Suppenküche in Rosebud mit Lebensmitteln.

One Spirit hat verschiedene Methoden der Zustellung ausprobiert wie z. B. Direktanlieferung bei den Empfängern, Lieferung an eine zentrale Stelle in jedem Distrikt, zu der die Familien kommen und ihre Boxen beim Fahrer abholen können und es gab einen Aufruf an die Empfänger, dass so viele wie möglich ihre Boxen im Verteilzentrum abholen sollten. Keine dieser Methoden hat sich als effizient herausgestellt.

Dies wurde mit den Lakota besprochen und wir kamen zu dem Ergebnis, dass es wohl am besten wäre, wenn man in den einzelnen Orten Lebensmitteldepots einrichtet, die von den Leuten vor Ort betrieben werden. Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, nachhaltige Nahrungsquellen zu schaffen z. B. durch Vergrößerung der vorhandenen Büffelherde sowie den Bau eines Schlachthauses auf der Reservation. Außerdem sollen der Bau von Gewächshäusern und die Besinnung auf traditionelle Pflanzenkost unterstützt werden.

Jetzt zu Beginn der Umstellung von Lebensmittellieferungen auf Lebensmitteldepots wollten wir belastbare Daten über den Bedarf haben. Wir wollten wissen, wie oft die Menschen ohne Essen sind, welche Gesundheitsprobleme existieren und wie häufig diese vorkommen, ob das Essen, dass wir mit den Boxen verteilen, auch das war, was gebraucht wurde, welche Art von Essen darüber hinaus benötigt wird und wie viele Leute durchschnittlich und regelmäßig zu Hause essen. Wir haben diese und weitere Fragen in einem Fragebogen zusammengefaßt. Dann riefen zwei unserer Gebietskoordinatoren jede Familie an, die auf unserer Lebensmittelliste steht und die telefonisch erreichbar ist. Die Menschen, mit denen sie sprachen, gaben bereitwillig Auskunft. Oft wurde gesagt, sie seien froh, dass jemand danach fragt.

Hier kommen unsere Auswertungsergebnisse:

Teilnehmer

Befragt wurden 105 der 300 Lakota Familien, die durch unser Lebensmittelprogramm versorgt werden. Dies sind die Familien, die wir telefonisch erreichen können. Sie wohnen in allen 9 Distrikten der Reservation.

Anzahl der Personen in einem Haushalt

  • Bei 84 Familien leben 2 - 5 Erwachsene in einem Haushalt
  • 60 Familien haben 2 - 5 Kinder
  • Bei 10 Familien leben 6 - 9 Erwachsene in einem Haushalt
  • 39 Familien haben 6 - 9 Kinder

Alle Haushalte teilen ihr Essen regelmäßig mit Leuten, die nicht bei ihnen wohnen. Bei den Lakota ist es üblich zu teilen und ca. 83 Familien teilten uns mit, dass sie ihr Essen mit bis zu 9 weiteren Leuten teilen, die nicht direkt zu ihrer Familie gehören. Weitere 17 Familien teilen sich ihr Essen mit mehr als 10 Personen, die nicht bei ihnen leben.

Gesundheitsprobleme

86 Familien gaben an, dass Familienmitglieder Gesundheitsprobleme hätten.

  • 53 haben Diabetes
  • 32 haben Bluthochdruck
  • 16 sind herzkrank
  • 19 haben Asthma

47 Familien gaben an, dass es eine Person mit solchen schwerwiegenden Gesundheitsproblemen in ihrer Familie gibt, 39 Familien gaben an, dass es in ihrer Familie zwei oder mehr Personen mit diesen Problemen gibt. Des weiteren wurden Nierenbeschwerden und ein hoher Cholesterinwert als Gesundheitsproblem angegeben.

Wir stellten fest, dass es eine allgemeine Unkenntnis darüber gibt, welche Lebensmittel man bei diesen Krankheiten essen bzw. vermeiden sollte. Zum Teil sind empfehlenswerte Lebensmittel aber auch gar nicht vorhanden.

Lebensmittelengpässe

  • Bei 64 Familien fällt 2 - 5 Mal pro Woche aufgrund fehlender Lebensmittel eine Mahlzeit aus
  • Bei 17 Familien fällt täglich mindestens eine Mahlzeit aus
  • 70 Familien haben tageweise gar nichts mehr zu essen, bis sie am 10. Tag des nächsten Monats wieder Essen von der Regierung bekommen

Erwachsene verzichten oft zugunsten der Kinder auf ihr Essen und bei vielen Familien wird ohnehin nur zwei Mal am Tag gegessen. Das schließt auch Familienmitglieder mit schweren Krankheiten ein. Wenn Essen vorhanden ist, bestehen die Mahlzeiten entweder aus Müsli oder Kartoffeln während der 2 Wochen vor dem nächsten 10., teilweise gibt es auch nur Tomatensaft und Kartoffelchips, um das wenige noch vorhandene Essen zu strecken.

Eine Großmutter verriet uns, dass es allgemein üblich ist, Kinder zu Totenwachen zu schicken (von denen es viele auf der Reservation gibt), ganz egal, ob sie den Verstorbenen kannten oder nicht, da sie wissen, dass die Kinder dort etwas zu essen bekommen.

Welches Essen wird benötigt?

Alle Familien sagten, dass sie das frische Fleisch, das Obst und Gemüse, das sie durch unser Lebensmittelprogramm erhalten, dringend brauchen, insbesondere auch für die Kranken in ihrer Familie. Sie fügen auch hinzu, dass sie hiervon mehr brauchen.

Fast alle Familien benötigen dringend folgende Lebensmittel: Fleisch, Obst, Gemüse, Eier, Milch, Joghurt, Müsli, Tee, Kaffee, Mehl, Salz, Zucker, Obstsaft ohne Zuckerzusatz. Für die Kinder außerdem Käsesticks, Müsliriegel ohne extra Zucker, Nüsse. Darüber hinaus werden Haushalts- und Hygieneprodukte benötigt.

Positives zum Lebensmittelprogramm

Die Familien sind mit dem Essen, das sie erhalten, sehr zufrieden und teilten uns mit, dass es genau zu dem Zeitpunkt kommt, wenn das Essen von der Regierung zu Neige geht. Sie bedankten sich bei den Menschen, die für das Programm arbeiten und denen, die es durch ihre Spenden unterstützen.

Probleme beim Lebensmittelprogramm

Jeder Familie betonte, dass sie mehr Fleisch, Obst und Gemüse sowie die anderen, oben erwähnten Lebensmittel brauchen.
Weitere Probleme sind:

  1. Die einzelnen Lebensmittel reichen nicht für die ganze Familie.
  2. Sie müssen jeden Monat den Tag und die ungefähre Zeit wissen, wann die Box zugestellt wird.
  3. Manchmal war gefrorenes Fleisch schon aufgetaut.
  4. Am Zustellungstag kann niemand telefonisch erreicht werden.
  5. Diverse Auslieferprobleme wie z. B. unvollständig gepackte Boxen, die Fahrer erschienen nicht mit der Box, Familien wurden nicht beliefert, obwohl sie auf der Liste stehen.
  6. Familien können im Notfall nicht außer der Reihe versorgt werden.
  7. Einige Familien erklärten, dass das Fleisch manchmal fehlte.
  8. Die Boxen enthalten keine dringend benötigten Hygieneartikel.
  9. Wenn eine Familie ihre Box nicht erhält bedeutet das, dass sie tagelang nichts zu essen haben.
  10. Während die meisten Fahrer gut und ehrlich sind, haben manche Familien den Eindruck, dass dies nicht auf alle zutrifft.

Schlußfolgerung

Diese Erhebung zeigt klar, dass das Lebensmittelprogramm von One Spirit einen großen Bedarf deckt, dies jedoch nicht zu 100 % schafft. Es gibt immer noch Menschen, denen das Essen ausgeht und solche mit gesundheitlichen Problemen, die keine Möglichkeit haben, an gesunde Lebensmittel zu kommen. Hiervon sind ebenso Kinder betroffen, bei denen gutes Essen für die Entwicklung und zur Vorbeugung gegen schwere Krankheiten wichtig ist.

Empfehlungen

  1. Einrichtung von Lebensmitteldepots, die das momentane Auslieferungssystem ersetzen und Lebensmittel für Familien leichter erreichbar machen. 
  2. Das Geld, das bisher für die Auslieferung benötigt wird, soll für den Kauf von Lebensmitteln für die Depots verwendet werden. Alle Familien erklärten, dass es für sie möglich wäre, zu einem örtlichen Depot zu kommen, wenn es in ihrem Bezirk eingerichtet würde.
  3. Die Depots sollen vollständig von den Lakota geführt werden, die dann auch entscheiden sollen wer Essen erhält, in welcher Menge und was.
  4. Es muß eine Absprache stattfinden mit allen Organisationen, die momentan Lebensmittel auf verschiedenen Wegen zur Verfügung stellen, um das Vorhandene in den Depot sinnvoll zusammenzufassen.
    Coordinate with all the organizations that currently provide food in different ways to funnel resources through the food pantries.
  5. Zusammen mit den Lakota eine Rückbesinnung auf traditionelle Lebensmittel starten und zu überlegen, wie diese in die Depots integriert werden können.
  6. Zusammen mit den Lakota einen Plan für eine zukunftsfähige Versorgung entwickeln. Dies schließt ein:
    1. den Gebrauch von Gewächshäusern
    2. Vergrößerung der Büffelherde
    3. Einrichtung von staatlich zertifizierten Schlachthäusern auf der Reservation
    4. Die Wiedereinführung von traditionellen Lebensmitteln wie z. B. Tipsila (Pediomelum esculenta) und Choke Cherries (Prunus virginiana)
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