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Hüter des Feuers und unsere Lakota-Ältesten

Vor Jahren saß ich in einer Nacht außerhalb einer Inipi-Zeremonie (Schwitzhütten-Zeremonie). Der Hüter des Feuers war ein junger Mann mit wenig Geduld. Er hatte Probleme das Streichholz am Brennen zu halten, als es Zeit war das Feuer anzuzünden und die Steine zu erhitzen. Ich wurde gefragt, ob ich das machen könnte und so ging ich ans Werk und erledigte die Aufgabe. Schon bald loderte das Inipi-Feuer und die Steine wurden zum Glühen gebracht. Ich bekam mit wie einer der Hüter des Feuers sagte: „Er hat das Feuer mit einem einzigen Streichholz angezündet“. Ich vermute, dass einige mehr Probleme damit haben ein Feuer anzuzünden als andere. Für mich, der ich ein typischer Outdoor-Mensch bin, war es kein Problem. Ich erinnere mich an den Himmel in dieser Nacht mit vielen Sternen, es gab einige Sternschnuppen und so konnte ich viele Wünsche äußern. Es war das erste Mal, dass ich in der Schwitzhütte an einer Zeremonie teilgenommen hatte, und seitdem entzünde ich das Feuer für die Schwitzhütte dieses Ältesten. Dieser Job wurde geschätzt und es war diese Wertschätzung, die mich dazu gebracht hat diese Aufgabe ernst zu nehmen. Die Aufgabe ein Hüter des Feuers für die Leute zu sein hat sich seitdem in andere Verantwortlichkeitsbereiche hin verschoben, wie in das Sammeln von Feuerholz um eine andere Art von Feuer zu entfachen, ein Feuer, dass unsere Ältesten und Kinder in einer kalten Winternacht erwärmt.

Logsplitter

Dieser Teil des Bereitstellens des Winterholzes war hart gewesen. Letzte Woche haben wir jemanden getroffen, der sich genauso um unsere Lakota-Ältesten kümmert wie wir. KC Willis von der LightShine Pine Ridge Organisation rief an und bat um Hilfe. Sie brauchte unser One Spirit Holzprogramm um sie dabei zu unterstützen zwei Ladungen Holz auszuliefern. Dies war genau zur Zeit der arktischen Kaltfront, von der fast die gesamte Nation betroffen war. Wir hatten gerade wenig Holz vorrätig, da eine Säge kaputt gegangen war und die andere Säge Probleme mit dem Flansch und dem Schärfen gemacht hatte. Wie dringend die Situation auch war, wir waren nicht in der Lage Holz aufzuladen und es direkt zu den Ältesten zu bringen. Wir mussten rausgehen und es schlagen. Zu Beginn des Winters hatten wir einen Vorrat angehäuft, aber zur Zeit sind wir ein wenig im Rückstand und müssen es direkt schlagen, wenn die Anfragen rein kommen. Um Hilfe für LightShine und die Ältesten leisten zu können mussten wir deshalb an den Vorrat der Ranch gehen. Als KC anrief hatte sie berichtet, dass sie überhaupt kein Holz mehr hätten und deshalb Kartons und Kleidung verbrennen würden. Es war ein Anruf, der dafür sorgte, dass die Notfall-Mannschaft sich sofort in Bewegung setzte. Wir wissen wie hart es ohne Holz sein kann, und wir wussten, dass wir später immer noch für uns Holz bekommen können.

Nachdem wir das Holz, das wir hatten, zusammengesucht und noch eine weitere Anfrage erhalten hatten, waren wir bereit nach dem Wohnort des Ältesten zu fragen. Das hört sich vielleicht etwas langsam an, aber unter den Umständen agierten wir so schnell wie wir konnten. Denn wenn wir eine Anfrage erhalten und wir kein Holz vorrätig haben, das wir direkt aufladen können, dann sorgt das für eine schlaflose Nacht. Irgendwann in einer dieser arktischen Kälteperioden fahren wir also, genau wie der Propan-Truck, nach Einbruch der Dunkelheit los. Wir sehen das so: es könnte ein Kind in diesem Haus geben und es könnte eine schwierige Situation vorherrschen. Und in einigen dieser alten heruntergekommenen Häuser kann es tödlich enden, wenn man nicht heizen kann. Es war eine Situation, die wir ernst nahmen, und unsere Mannschaften sehen in dieser Zeit jede Anfrage als eine Art Mission an. Gesagt, getan, Holz war im Truck auf dem Weg, diese langen Landstraßen der Reservation entlang und es kommt einem vieles in den Sinn. Es könnte einem ans Herz gehen, wenn man endlich angekommen ist. Meistens kann man sehen, dass die Familien wirklich in Not sind.

Wood for the Oyate

Die Gemeinde, in der die Hilfe benötigt wurde, war Oglala und es würde eine Fahrt von 40 Minuten sein. Ich glaubte, dass ich den Ältesten, an den wir das Holz ausliefern würden, noch nie getroffen hatte und ich musste deshalb bei einigen Häusern anhalten und fragen, ob jemand den Mann kennt. Es ist eine kleine Welt und in den Gemeinden kennt man sich. Ich erhielt direkt einen Tipp und wurde in die richtige Richtung geleitet. Wir waren auf der Suche nach dem Heim von Sam Porcupine, und es dauerte nicht lange und wir fuhren in die Einfahrt rein. Ich war bei dieser Liefer-Tour mit meinem jüngsten Sohn Matt Brewer zusammen. Wir hatten ein gutes Vater-Sohn-Gespräch und er war gerade Vater von seinem ersten Sohn geworden. Wir fuhren vor um Ausschau zu halten, als wir zwei Männer sahen, die draußen Wache hielten. Vor ihnen waren zwei Holzkrücken. Auf diesen Krücken sägten sie Holz mit einer Handsäge. Ich stieg aus dem Truck und ging zu ihnen hin. „Hau! Wir haben euch etwas Holz gebracht“, sagte ich und ein Lächeln zeigte sich auf ihren Gesichtern. Sie hatten gerade eine Pause von ihrer Arbeit mit der Handsäge gemacht, bei der sie Holz zerkleinerten, dass sie im Gebiet des in der Nähe gelegenen Bachs gesammelt hatten.

Samuel Porcupine“Wir sind hier um euch mit etwas Holz zu helfen und sind von LightShine und One Spirit geschickt worden”, sagte ich zu ihnen. Einer der Männer stand auf und sagte: „Ich werde Sam holen, er ist im Haus“. Der Mann ging schnell in Richtung Haus, bevor ich ihm sagen konnte „Es ist schon in Ordnung. Wir werden es abladen, wo immer ihr Leute es haben wollt“. Schon bald kam hier der alte Herr Sam Porcupine, sich wirklich langsam fortbewegend. Es würde eine sehr berührende Begegnung mit einem Ältesten werden, die mich und meinen Sohn tief bewegt hat. Ein Anblick von wirklichem Mut, von Entschlossenheit und Überleben, als wir sahen, dass er an beiden Händen keine Finger hatte, vor Jahren aufgrund von Erfrierungen während härteren Zeiten verloren. Sam kam auf mich zu. Ein gebrechlicher alter Herr. Er streckt seine Hand entgegen und schüttelte meine Hand mit seinem Stumpf. Er hatte kaum ein Stückchen Daumen, aber er hatte zweifellos den Griff eines Bullenreiters. Dies sorgte dafür, dass ich einen Kloß im Hals bekam und ich schaute zu Matt. Er schaute in die andere Richtung, da er wusste, dass es berührend war und ihm bewusst war, dass es ein schwieriger Moment für mich war. Matt erklomm wieder die Ladefläche des Trucks und setzte das Entladen des Holzes fort. Ich fragte Sam, ob ich ein Foto mit ihm machen könnte und er scherzte „Ich bin bereits berühmt“ und setzte sich Hollywood-reif in Pose. Wir standen herum und schauten uns mit den dreien ein wenig um.

Man sah, dass hier einige gute Jungs vom Land waren, es war eine wirkliche Heimstatt im Reservations-Hinterland, komplett mit einem Nebengebäude und einigen verstreuten Bierdosen. Nichts, was uns dazu bringen würde uns abzuwenden, denn wir diskriminieren nicht und wir helfen jedem, dem wir helfen können. Für mich war dies ein großartiger Ort und ich genoss den Humor von diesen Kerlen, die draußen saßen. Wir waren alle bei minus 20 Grad arktischer Kälte draußen, und sie waren draußen für Feuerholz. Und mit der Sonne, die in ihre Gesichter schien, saßen sie lächelnd da und haben mit uns gescherzt und gelacht.

Lakota Fire

Wir erledigten das Ausladen, verabschiedeten uns und stiegen wieder in den Truck. Es war eine gute Tat und ein gutes Gefühl überkam uns beide. Matt sprach davon, dass er unsere Säge holen und zurückkehren wolle, um ihnen zu helfen, das Holz zu zerteilen, dass sie versucht hatten mit der Handsäge zu sägen als wir ankamen. Als wir die Landstraße zurück nach Hause fuhren, haben wir gemeinsam darüber nachgedacht, was wir gerade erlebt hatten und unsere Gedanken waren beim alten Sam Porcupine. Ich wusste er würde es heute Abend warm haben, aber wir sind noch lange vom Ende des Winters entfernt. Nach einer Weile beginnt man über die wahren Lakota da draußen im Hinterland der Reservation nachzudenken. Fern ab vom Indianischen Gesundheitsdienst, fern ab von einem Job beim Stamm, weit entfernt von „Der mit dem Wolf tanzt“-Szenen, wird man etwas finden, was manche das „Dritte-Welt-Land“ nennen. Ich fragte mich, wie er das Holz in den Ofen bekommt, aber ich weiß allein dadurch, wie ich ihn erlebt habe, dass er das hin bekommt.

Nachdem wir zur Ranch zurückgekehrt waren, habe ich auf einen tollen Tag zurückgeblickt und die Fotos, die ich gemacht hatte, durchgeschaut. Ich sah ein Bild vom alten Sam Porcupine. Und mit einem heutigen Blick kann man einen Lakota sehen, der darum kämpft den Winter einer neuen Welt zu überstehen. In den Augen des einfachen Mannes oder Ikceka Wicasa, der über Geld und Macht hinaus blickt, habe ich einen Überlebenden dieser neuen Welt und all ihrer Zerstörung an unserem Volk gesehen. Ich sah einen Krieger, der daran festhält unsere Wege zu bewahren. Seine Hände wurden beim Festhalten an den Traditionen der Lakota abgenutzt. Ein alter Mann ohne Finger befand sich in einem Kampf darum die Wege lebendig zu erhalten. Er sieht über eine Reservation hinaus und am Horizont eine Büffelherde, die ihm zuruft: „Sei stark Lakota Krieger, wir sind stolz auf dich!“

Von Bamm Brewer

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