Silva and Manuela

Manuela aus Deutschland erzählt ihre Geschichte

Als ich im Jahr 2014 50 Jahre alt wurde hatte ich das Gefühl, ich müßte mal meinen ganzen Besitz durchsehen. Ich packte etliche Kartons voll mit Büchern, CDs, DVDs, Handarbeiten und anderen Dingen, die mir früher einmal etwas bedeutet hatten und von denen ich annahm, dass ich sie nicht mehr brauchen würde. Es war ein richtig gutes Gefühl, die meisten Sachen über Ebay zu verkaufen, da ich dadurch viel freien Platz und außerdem auch ein nettes Sümmchen Geld bekam. In dieser Zeit stieß ich auch im Internet auf One Spirit und beschloß, das eingenommene Geld für eine Familie, die auf der Okini Liste stand, auszugeben. Solange ich denken kann, fühle ich mich den Indianern sehr verbunden und einer meiner Lieblingsfilme ist "Der mit dem Wolf tanzt."

So wurde ich zum Sponsor von Silvia, einer Lakotafrau, die zusammen mit einigen Kindern und Enkeln in einem Trailer wohnt und trotz ihrer beinahe 65 Jahren noch arbeitet. Zunächst lief der Kontakt über Briefe. Später schickt ich ihr einen Laptop, um unsere Kommunikation zu vereinfachen. Aufgrund des Zeitunterschieds von 8 Stunden zwischen Deutschland und Süddakota und meinen begrenzten Englischkenntnissen waren Telefonate etwas schwierig. Durch den Emailkontakt wurde alles leichter und nach einer Weile hatte ich den Eindruck, sie schon ewig zu kennen.

Sie lud mich ein, sie zu besuchen und ich buchte einen Flug nach Rapid City für Ende März. Sobald ich ihr Heim betrat, hatte ich das Gefühl, ein Teil ihrer großen Familie zu sein. Ich teilte mir einen Raum mit einer ihrer Enkelinnen und habe mich dort nie einsam gefühlt. Immer wenn ich etwas fragte, bekam ich eine ehrliche Antwort. Ich traf außerdem noch weitere entfernte Verwandte von ihr und verbrachte den Ostersonntag mit ihnen. An einem Tag kochte ich auch ein typisch deutsches Essen für sie.

Was ich auch sehr schätzte war, dass die Familie gern lachte. Während meines Aufenthalts hatten wir soviel Spaß miteinander und als ich sie wieder verließ, hatte ich das Gefühl, dass ich hier enge Freunde gefunden hatte.

2 friends are visiting

Von Mitgliedern meiner Familie habe ich ebenfalls Geld für Silvias Familie erhalten. Während meines Aufenthaltes und nach etlichen Gesprächen mit Silvia entschloß ich mich dazu, ihr das Geld für den Kauf eines Tipis zu geben, welches die Familie für verschiedene Lakotazeremonien benötigte. Ich hätte das Geld auch ohne weiteres für andere wichtige Sachen geben können, es erschien mir aber wichtig, einer Lakotafamilie nicht nur dabei zu helfen zu überleben, sondern auch dazu beizutragen, ihre reiche Kultur und Spiritualität zu erhalten. Als ich zu meinem Besuch aufbrach, fühlte es sich an wie ein großes Abenteuer, aber jetzt, nachdem ich schon wieder einige Tage in Deutschland zurück bin, kommt mir vieles sehr vertraut vor. Ich bin mir sicher, dass wir uns in Zukunft noch einmal treffen.

Ich ermutige jeden, der in der Lage und willens ist dazu, die Lakota über One Spirit entweder mittels der Okini Liste oder als Sponsor zu unterstützen.


~ Manuela