Ein Brief von Bamm

Der Morgenstern

Im frühen Morgenlicht war es nebelig, unser Haus roch nach Rauch. Ich erwachte durch die Geräusche des Trucks meines Sohnes, mit dem er den Hügel zur Ranch runter fuhr.

Ich dachte: „Was macht der die ganze Nacht da draußen?“ Nun ja, er war nicht die ganze Nacht draußen, er war früh aufgestanden und kontrollierte die Weide, nachdem er den Rauch gerochen hatte. Er war auf dem aktuellen Stand der Situation: Es gab ein Feuer in den Black Hills und ein Grasfeuer in Wyoming und der Wind blies den Rauch in unsere Richtung über die Reservation. Es war noch immer dunkel draußen darum legte ich mich wieder hin und dachte: „So früh will ich noch nicht aufstehen, es wird noch ein langer Tag.“ Ich legte mich also wieder hin, fand aber keinen Schlaf mehr. Also stand ich doch auf und draußen wurde es langsam hell. Ich ging durch die Hintertür nach draußen und sah den Nebel. Es roch nicht schlecht aber ich hoffte, es würde nicht wieder so ein Sommer wie der letzte werden. Wir hatten ein paar große Feuer in der Vergangenheit und dieser Sommer war bisher sehr, sehr trocken. Ich schaltete meine Kaffeemaschine an und jetzt kann der Lebensmitteltag beginnen!

Waldbrand
Photo Courtesy of the US Forest Service

Im Reservat geht das Leben weiter. Es ist die Saison für Sonnentänze. Es finden sehr viele statt und an einigen nehmen viele Tänzer teil. Oben in Montana beenden die Little Big Horn Reiter einen weiteren spirituellen Siegesritt auf dem Pferderücken. In Manderson, Süddakota, finden die Kiza Park Pferderennen statt und es gibt Märsche und Feiern und verschiedene andere Aktivitäten, um die Aufmerksamkeit auf einen sehr wichtigen Sieg zu lenken, der an einem Platz in Montana stattfand, der das Greasy Grass Schlachtfeld genannt wird. Unsere Wounded Knee Leute hatten ein Essen im Gedenken an die Schlacht vom Little  Big Horn und One Spirit sponserte die Hot Dogs und die Limonade.

Friedhof in Wounded Knee
Photo courtesy of Tom Hehlogeca, Wounded Knee    

Am Freitag fuhr ich nach Chadron zum Wal-Mart, um Nahrungsmittel und frisches Gemüse einzukaufen. Wow, war das eine Menge. Du weißt nicht was Einkaufen bedeutet, bis du mal für One Spirit einkaufen warst. Alle im Laden richteten ihren Blick auf mich. Die Leute gingen an mir vorbei und sagten solchen Unfug wie: „Wo findet denn die Grill-Party statt?“ ich sagte dann nur: „Folgen Sie mir.“ und lachte. Dann beluden wir den Truck und ich wollte nur noch geradewegs auf den Highway fahren, um nach Hause zu kommen. Es war heiß draußen, 35 Grad °C. Eine kleine Gruppe wartete an der Garage, machte sauber und wartete darauf, den Truck auszuladen. Wir verstauten die Burger schnell im Gefrierschrank. Es war der Tag vor der Essensausgabe und wir waren bereit. Den ganzen Monat war dieser Platz die Indianer Aktion Garage und nun verwandelte sie sich in Jeris Küche und war bereit für den großen Tag.

Beim Befüllen der Boxen

L to R:  Isabella, Ohitika, and Jeri, May 2016 Food Distribution

Schon zwei Tage vorher hatte ich die Fahrer angerufen und konnte ihnen einige Herausforderungen ankündigen. Eine davon würde die Hitze sein. Nachdem wir seit 3 Jahren zu viert unterwegs sind, ist es alles für uns schon Routine geworden; jeder aus der Mannschaft kennt seine Aufgabe. Ich konnte beobachten, dass die Männer den Truck ausluden und die Frauen die Boxen zusammenfalteten, ohne dass ich es überhaupt erwähnen musste. Sie alle möchten den Leuten helfen, aber sie hoffen auch auf einen Tag Arbeit. Die Crew in der Garage weiß genau, was zu tun ist, ohne dass es explizit gesagt werden muss. Nachdem ich die Garage geöffnet habe, gehe ich immer zur Nahrungsbank und schaue, ob sie alle da oder zumindest auf dem Weg sind. Unser Freund und Nachbar bei der Garage ist Roman Swallow. Er lebt drüben im Haus an der Ecke ohne Strom und fließendes Wasser. Roman ist einer der ersten, die an der Garage auf uns warten. Er ist zweifacher Vater und seine Frau ist schwanger. Roman hat ein hartes Leben, aber er schiebt seine Probleme zur Seite und hilft mit, die Leute mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Mike Markus, eine Marine Veteran und einer meiner Haupthelfer, ist großartig. Er ist der einzige aus seiner Familie, der auf der Reservation lebt. Er hat zwar Verwandte, aber sein Lebensweg ist es, allein zu sein. Er wartet bei der Garage und schläft in seinem Truck. Am Lebensmitteltag ist er mit Stolz bei der Sache, denn er glaubt an das, was wir tun, um den Menschen zu helfen. Mike weiß, dass er an solchen Tagen jede Menge Gesellschaft haben wird. Wasu Duta, auch bekannt als James Franko, ist auch ein großer Helfer. Ein großer Kerl mit viel Kraft, er ist ein „Vertragsindianer“, so nennt er sich selber. Er hat auch keine Verwandten in der Nähe. Die Tage waren hart für ihn, seit seine Frau auf einer einsamen Straße auf der Reservation ums Leben gekommen ist. Joe Charging ist ein Cousin und auch ein großer Helfer. Wir müssen hinter ihm her sein und ihn bei uns behalten. Sein Problem ist der Alkohol. Er ist der jüngste der gesamten Mannschaft. Jaba Rabbit war auch da, um zu helfen. Sie ist die Mutter des Babys Adela; sie leben westlich im White River Gebiet. Sie ist eine gute Mutter und sie braucht selbst eine Food Box. Ich habe sie angeheuert, um ihr und Adela zu helfen. Sie lebt 25 Kilometer entfernt und sie trampt mit ihrem Baby, um in die Stadt zu kommen. Dem Trailer, in dem sie lebt, fehlt ein Teil der Außenverkleidung und sie hat keine Hilfe vom Katastrophenschutz.

Staff Träger
Mike Markus, 2016 Crazy Horse Ride Staff Bearer

Gebiet von Red Shirt: Tyra “Banks” Two Bulls setzt sich sehr für ihre Gemeinde Red Shirt Table ein, die ich  Rotes Reh Table (Table = Tafelberg) nenne was sie sehr amüsiert. Ich tue das, weil man diesen Namen für Red Shirt Table im Film “Skins” benutzt hat. Tyra ist wirklich nett und sie und ihr Ehemann bedienen die Red Shirt – Route. Diese Route ist so weit weg, wie man sich nur denken kann, und ich habe von dort noch niemals eine Beschwerde erhalten. Ab und zu würde ich dort einmal vorbeifahren, um zu schauen, daß alles in Ordnung ist.   

Das Gebiet Oglala wurde von Wasu Duta beliefert. Er hatte auch große Schwierigkeiten, sagte, daß niemand ans Telefon ginge und er die Route nicht genau kenne, aber Ohitika hatte Probleme mit ihrem Truck und  konnte daher in diesem Monat leider nicht bei der Verteilung der Lebensmittel dabei sein. Ich wußte, daß es so aussah, als wären wir etwas unterbesetzt, was die Hilfe und die Fahrer angeht, aber die Crew in der Garage machte 250 Kartons fertig und befüllte sie und so wurde alles geschafft. Es war Fleisch in den Kartons und so war es wichtig, sie so schnell wie möglich auszuliefern. 

Ashley Rabbit
Ashley Rabbit broke down while delivering food to Allen.

Die Allen-Route wurde von Ashley Rabbit abgedeckt. Ihr Lieferwagen ging kaputt und ich mußte hinausfahren, um sie abzuschleppen, aber John Dubray kam vorbei und half. Sie saß nur da und rief jeden an, erzählte ihnen, wo sie war und so kamen alle nach und nach zu ihr hergelaufen, um die für die Bewohner gepackten Essenskartons abzuholen. Ashleys Lieferwagen war im Wohngebiet kaputt gegangen. Als ich dort ankam, sprang das Fahrzeug gerade wieder an. Ashley hatte noch ungefähr drei Kartons übrig, und nachdem ihr Fahrzeug wieder ansprang, wollte sie die Route zu Ende fahren, was sie auch tat.

Das Gebiet von Porcupine wurde von Skip Sully, einem Vietnamveteranen, abgedeckt. Er war zum ersten Mal bei der Auslieferung dabei und es schien so, als würde alles gut gehen. Er kam mit einem guten Ausdruck zurück, der beschrieb, wie viele Leute die Essensboxen regelrecht brauchten. Er sagte: “Sie haben auf mich gewartet.” Wir standen da und hörten jedem zu, der neu war, weil es uns an das Gefühl erinnerte, wie es war, auf den Routen selbst einmal neu gewesen zu sein.

Von Maria, die das Gebiet Manderson beliefert, hörten wir in diesem Monat gar nichts. Ich würde sagen, daß sie wahrscheinlich beim KIZA Park gewesen war. Wir hatten Hilfe von Chevonne Two Bulls bekommen, die die Strecken schon öfters abgefahren hat und gut damit klar kam. Ich werde es heute noch einmal überprüfen.

Kyle wird von einem Ältesten abgedeckt, der zusammen mit Bernie Shots, einem ehemaligen Stammesratsmitglied, auf Verteiltour geht. Die beiden sind seit zwei Monaten im Gebiet von Kyle als Verteiler unterwegs. 

Bei Wounded Knee werden wir keinerlei Probleme haben, da ein ehemaliger Fahrer, Eugene Sage Picker, wieder auftauchte. Er rief zurück und meldete, daß einige Leute nicht zu Hause waren. Ein oder zwei Personen holten ihre Box jedoch bei der Garage ab.

Beim Beladen eines Pickups
Loading food boxes

Für die Fahrer ist es wahrscheinlich ein friedliches Abenteuer, wenn sie allein auf Tour gehen, das heißt, wenn sie erst einmal aus der Tür kommen. Mittlerweile brach in der Garage ein Drama aus. Wir hatten sehr langsam angefangen und plötzlich schienen wir regelrecht von Leuten, die zwar keinen Sponsor haben, aber trotzdem hoffen, etwas von den Lebensmitteln abzubekommen, überrannt zu werden. Da wir keinen Fahrer für die Gegend von Porcupine hatten, wurden die Lebensmittelpakete nach und nach immer weniger und Mike und Warren begannen, sich ein wenig über die Kartons für Porcupine zu streiten. Es war schon lustig. Ich schaute zu ihnen hinüber und sah, wie Mike Warren zurückhielt und ihm sagte: “Diese gehören Porcupine.” Warren hatte versucht, diese Kartons den Leuten zu geben, die auf gut Glück in die Garage kamen. Ich hörte Mike sagen: ”Geh, und mach dir deine eigenen (Kartons)” und hörte Warren antworten “Ok, Sergeant.” Ich habe es die beiden unter sich ausmachen lassen. Das Witzige war, daß eine Reihe von ungefähr 10 wartenden Leuten ohne Lebensmittelsponsor (sogenannte Walk-Ins) meine Crew dabei beobachtete, wie sie immer frustrierter wurden. Es war auch schon fast die Zeit des Tages, an der es wirklich heiß in der Garage wird. Ich schaute mir die Reihe Leute an und sagte: “Wir liegen im Zeitplan zurück und uns gehen die Lebensmittel aus.” Nachdem die zehn Wartenden Kartons mit Lebensmitteln erhalten hatten, mußte ich den Strom derer, für die es eigentlich nichts gab, unterbrechen. Wir brauchten etwas Zeit, um mehr Kartons fertig zu machen und wieder aufzuholen, was zu Frustrationen unter der Crew führte. Zu Anfang kam Mark und brachte 250 Kartons, die aber nicht reichten, aber ich denke, daß er sich darauf verließ, daß wir die zweitklassigen Kartons, in denen er das Gemüse mitgebracht hatte, benutzen würden. Wir benötigten 300 Kartons, die anderen zweitklassigen Kartons hätten für die Walk-Ins sein können. Wir mußten die Ausgabe unterbrechen und aufhören, bevor die Leute aufhörten herzukommen! Wow!! Das war vorher noch nie passiert.

 Ansicht von Pine Ridge

Der Tag war wie üblich sehr lang. Ich liebe den Druck, etwas Großes zu Ende zu bekommen, keine Aufgabe ist zu groß, und am Morgen danach dachte ich über den Tag nach, an dem meine Crew diese Riesenaufgabe bewältigt hatte, die uns von One Spirit und den Sponsoren übertragen worden war. Heute ist ein guter Tag. Über den Hügel hinweg, der hinter meinem Haus ist, konnte ich die Trommeln und Ausrufe der Sänger hören - es findet ein Sonnentanz statt. Es ist die Zeit, in der sich die Leute opfern, damit wir leben können – damit unser Volk nicht leiden muß. Ich erinnere mich an unsere Bedeutung von Einheit und Frieden, indem wir uns auf so eine wunderschöne Weise gegenseitig helfen - “One Spirit”

 

Bevor die Sonne am östlichen Horizont aufgeht, suche den Morgenstern und zusammen sind wir, egal wie weit wir voneinander entfernt sind, alle One Spirit – Leute des Morgens. - Bamm Brewer 

 

Video vom Lebensmitteltag

von Edward Wilson

Im Mai 2016 drehte unser Freund und Unterstützer Edward Wilson dieses kurze Video vom One Spirit Lebensmitteltag. Obwohl hierin nur ein Bruchteil der ganzen Arbeit gezeigt wird, die anfällt, bis alle Boxen ihre Empfänger erreicht haben, erhalten Sie einen kleinen Einblick in die Arbeit der Lakota und der Freiwilligen, die für One Spirit arbeiten, um den Hunger auf der Reservation zu beenden.

Recently, friend and supporter, Edward Wilson made a short video of a One Spirit food distribution day. Though it only shows a fraction of the actual work it takes to distribute food across the reservation, you will get a sense of the Lakota community and One Spirit volunteers working together to End Hunger.