Hunderte Wasserschützer wurden verletzt durch den Einsatz
von Wasserwerfern durch die Polizei bei Temperaturen um 0° C

Bericht von Censored News

Cannon Ball, Norddakota. Hunderte Wasserschützer wurden in den Camps auf der Standing Rock Reservation am letzten Sonntag (21.11.16) durch die Ordnungskräfte der Polizei verletzt, als diese bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Wasserwerfer gegen sie einsetzte. Die Angriffe begannen, als einige der Wasserschützer mit einem Sattelschlepper verbrannte Militärfahrzeuge entfernen wollten, die die Polizei vor Wochen an Betonbarrieren gekettet hatte, wodurch der Highway Nr. 1806 blockiert wurde. (Anmerkung: Dieser Highway führt durch die Standing Rock Reservation und geht weiter nach Bismarck.) Die Wasserschützer, die daran arbeiteten, dass die Straße wieder frei und den Rettungsdiensten die Zufahrt zu den Camps ermöglicht wurde, wurden mit Tränengas, LRAD (eine nicht-tödliche, akustische Waffe des US Militärs), Stinger Granaten, Gummigeschossen und rücksichtslosem Einsatz von Wasserwerfern bei einer Temperatur von ca. -3° C bekämpft.

Einige Geschosse, die von den Ordnungskräften abgefeuert wurden, setzten das Gras in Flammen. Darum kümmerten sich die Wasserwerfer jedoch nicht, vielmehr mußten die Wasserschützer diese Feuer löschen. Außerdem wurden 3 Drohnen von Medienvertretern abgeschossen und Journalisten bedroht.

Karte Pipeline und Camps

                                                                                       Die schwarze Schlange im Land der Sioux

Unabhängige Beobachter von der nationalen Rechtsanwaltsvereinigung bestätigten, dass etliche Menschen bluteten und das Bewußtsein verloren, nachdem man sie mit Gummigeschossen an den Kopf geschossen hatte. Ein Ältester erlitt einen Herzstillstand. Er konnte jedoch durch die anwesenden Notärzte reanimiert werden. Die im Camp vorhandenen Ärzte und Einrichtungen werden überstrapaziert. Im Ort Cannon Ball wurde die Turnhalle der örtlichen Schule für die Versorgung von Verletzten geöffnet.

Mitglieder des medizinischen Notdiensts der Standing Rock Reservation sind vor Ort, um die Versorgung der Verletzten zu koordinieren. Die Cheyenne River Sioux haben Krankenwagen zum Oceti Sakowin Camp (7 Ratsfeuer Camp) geschickt, um zu helfen. Hunderte müssen nach Reizgasattacken behandelt werden, außerdem wegen Unterkühlung sowie Aufprallverletzungen durch Gummigeschosse und ähnliches.

Die Militärfahrzeuge, die auf der Brücke stehen, wurden bei einer Blockade am 27. Oktober in Brand gesetzt, nachdem die Ordnungskräfte das "1851 Treaty Camp" angriffen und auflösten. Mit diesem Camp wurde der Korridor für die Pipeline besetzt sowie das nie abgetretene Gebiet der Sioux eingefordert. Trotz des offensichtlichen Sicherheitsrisikos und trotz der Versprechungen der Kreisverwaltung von Morton County, dass sie die Straße räumen würden, bestanden die Ordnungskräfte darauf, dass die verbrannten Fahrzeuge wochenlang auf der Brücke stehen blieben. Diese Blockade des Highway 1806 ist lebensbedrohlich für die Wasserschützer und die Einwohner der Standing Rock Reservation, da Krankenwagen und Ärzte, die dringend gebraucht werden, nicht in der Lage sind, schnell zu den Verletzten zu kommen. Durch die Blockade werden darüber hinaus die Anwohner massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und sie schadet dem Stamm in wirtschaftlicher Hinsicht, da die Zufahrt zum Prärie Knights Casino hierdurch ebenfalls nicht möglich ist. Bilder der verbrannten Fahrzeuge haben außerdem dazu beigetragen, ein schlechtes und verzerrtes Bild der Camps für die Sensationspresse zu erzeugen.

Tara Houska, Hauptverantwortlicher für nationale Kampagnen bei "Honor the Earth" sagt: "Die Hauptdurchgangsstrasse der Standing Rock Reservation wurde für Wochen blockiert, ohne dass sich der Staat Norddakota Gedanken um die damit verbundenen Risiken für die Bevölkerung gemacht hat. Beim Versuch, die Straße zu räumen, wurden die Menschen bei Temperaturen um die -3° C mit Wasserwerfern attackiert – das ist ein Mordversuch! Wollen sie etwa Menschen nur deswegen umbringen, weil diese eine Straße räumen wollen? Wann werden wir endlich gehört? Haltet die Dakota Access Pipeline auf. Stoppt den Bau. Respektiert die Rechte der Eingeborenen, respektiert alle Menschen."

LaDonna Allard, die Leiterin des Sacred Stone Camps sagt: "Ich frage mich die ganze Zeit: Warum? Das Einzige, was wir wollen, ist sauberes Wasser und das Recht auf unser Leben und das unserer Kinder. Dafür werden wir angegriffen, aber das Öl wird geschützt. Die Verwaltung des Morton County und der DAPL-Sicherheitsdienst sind unmenschlich – haben sie überhaupt ein Herz?"

Dallas Goldtooth, indianisches Umweltnetzwerk, sagt: "Die Temperaturen liegen momentan unter dem Gefrierpunkt und trotzdem geht der Sheriff von Morton County mit Wasserwerfern auf unsere Leute los. Das ist eine total überzogene und im schlimmsten Fall tödliche Anwendung von Gewalt. Notfallpläne der Stämme greifen und stellen Dienste zur Verfügung, die eigentlich in die Verantwortung der Verwaltung von Morton County fallen – es ist einfach lächerlich. Da die Polizei dafür sorgt, dass die Straße blockiert bleibt, müssen Krankenwagen einen Umweg von 30 Minuten fahren, um zum Krankenhaus zu kommen. Hier geht es zum Teil um Leben und Tod und Morton County sowie der Bundesstaat Norddakota sind für die Opfer verantwortlich."

Der Mediziner- und Heiler-Rat von Standing Rock hat sich wie folgt geäußert: "Die Ärzte und Heiler des Stammes fordern zusammen mit dem Mediziner- und Heiler-Rat, dass der Gebrauch von Wasserwerfern bei Temperaturen unter 0° C sofort eingestellt wird, da es für die Menschen auch keinerlei Möglichkeit gibt, sich zu trocken und aufzuwärmen. Als Mediziner sind wir sehr besorgt darüber, dass es hierdurch, insbesondere durch die Unterkühlung, sonst etliche Menschenleben zu beklagen geben wird."

Hier geht es zum englischen Originaltext sowie weiteren Bildern und Videos.