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Ein weiteres Lakota Abenteuer!!

von Bamm Brewer

Als ich noch ein kleiner Junge war, folgte ich meinem Vater durch dichte Wälder und offenes Gelände an Orte, die mir bis dahin unbekannt waren. Zu dieser Zeit wußte ich noch nicht, dass ich einmal genau dieselben Wege mit meinen Söhnen und bald auch Enkeln gehen würde. Irgendwelche Pläne spielten keine Rolle. Es war einfach ein Abenteuer, z. B. einfach nur die kalte Morgenluft zu atmen. Eine meiner Erinnerungen ist mit dem Duft frischen Kaffees im Pick-up verbunden zusammen mit dem Geruch eines Streichholzes, dass für eine Zigarette entzündet wird. Daher ist meine Erinnerung an meinen Vater für immer mit dem Geruch von Kaffee und einer mittels Streichholz entzündeten Zigarette verbunden. Heutzutage würden wir es niemandem erlauben, sich im Pick-up eine Zigarette anzuzünden, da wir zu ernsthaften Jägern wurden und diesen Geruch nicht an unseren Kleidern haben wollen.

Früher, das heißt, bevor ich auf die Hirschjagd ging, jagte ich Kaninchen. Ich schlug einen Pfad durch den White Clay Creek und machte mich auf die Suche nach ein paar Waldkaninchen. Das waren immer sehr lustige Jagden, die mich sehr an die Bugs Bunny Filme erinnerten, nur, dass das hier ein klein bisschen ernsthafter war. Ich erinnere mich an eine Begebenheit in der Gegend des Wound Knee Creeks, unterhalb der Ranch von Bob Ecoffee. Dort gab es sehr viele dieser Kaninchen. An einem guten Tag brauchte ich einen Sack, um sie alle nach Hause zu transportieren. Ich fragte Bob, ob ich hier jagen dürfte und er antwortete mir: "Sicher, solange es nur um Kaninchen geht". Schnee war bei einer Kaninchenjagd immer sehr hilfreich und nach einem Blizzard machte ich mich normalerweise auf die Jagd nach ihnen. Eine Begebenheit am Wounded Knee Creek ist eine meiner schönsten Erinnerungen. Hier gab es ein Kaninchen, dass sehr schlau war. Ich sah, wie es auf seinen Hinterläufen stand und nach mir Ausschau hielt, während ich den Pfad hinaufging. Dann rannte es los in einer Art und Weise, dass ich immer daneben schoss. Als mir schließlich die Zunge aus dem Hals hing, blieb es sitzen. Aber kurz darauf ging die Jagd wieder los! Gerade in dem Moment, in dem ich dachte, ich hätte es in die Enge getrieben, tat es das Unmögliche und überquerte den Bach.

Manchmal überquerte es den Bach jedoch nicht, sondern rannte auf dem Eis entlang und ich hinterher. Es war so, als wollte es mich zu einer Stelle führen, an der ich ins Eis einbrechen würde, nur, um mich von seiner Spur abzubringen. Ich versuchte immer, die Stelle zu umgehen, an denen das Eis klar war. Ich wußte, dass das Eis dünn war, allerdings konnte ich zu dieser Zeit noch schneller rennen und ließ mich auch auf ein paar unnötige Risiken ein. Der Bach ist nicht sehr breit, konnte jedoch an einzelnen Stellen sehr tief sein. Dies stellte ich auf die harte Art fest. Es war an einem Tag, nachdem wir sehr strengen Frost hatten. Überall gab es Waldkaninchen und meine Kumpels und ich dachten, heute ist unser Tag und wir werden für das Abendessen sorgen. Nach einer Weile trafen wir wieder auf dieses schlaue Kaninchen und schon ging die Jagd los, den Bach hinunter. Plötzlich jedoch gab es einen lauten Knall und John Pettigrew steckte bis zum Hals im Wasser. Damals war er noch ein kleiner Junge. Er war eiskalt und durchgefroren, daher mussten wir gleich hier am Wounded Knee Creek ein Feuer für John anzünden. Damit wärmten wir ihn auf und trockneten ihn soweit wie möglich, damit er den langen Rückweg zu seiner Großmutter Gloria überstehen konnte. An diesem Tag hat uns das Kaninchen im wahrsten Sinne des Wortes reingelegt und ich bin mir sicher, dass es irgendwo auf einer Anhöhe auf seinen Hinterläufen saß und grinsend zu uns herunterschaute.

Ich habe es nie geschafft, dieses verdammte Kaninchen zu erlegen, egal, wie sehr ich mich auch anstrengte. Sie schmecken einfach vorzüglich und ihr Fell kann man wunderbar als Innenfutter für Mokassins und Handschuhe verwenden sowie für Ohrenschützer. Das Fell ist weich und warm und am Ende eines Trommelschlägers klingt es ata lila waste (sehr gut), wenn sie das AIM Lied singen! Sie können einfach an einem Lagerfeuer neben dem Wounded Knee Creek gebraten werden. Das haben wir auch herausgefunden. Zu dieser Zeit wußte ich noch sehr wenig von der Jagd und war vielmehr dabei, alle Fertigkeiten zu lernen, die ein Jäger bzw. ein Anführer einer Jagdtruppe wissen muß. Mit diesen Kaninchen fing alles an. Es folgten viele weitere tolle Erinnerungen an erfolgreiche Jagden, aber auch an Mißerfolge. In einer Zeit, in der unsere Leute nicht mehr auf die Jagd gingen und gezwungen wurden, auf der Reservation zu leben, hielten wir hier dennoch an der Tradition des Jagens fest. Nachdem uns auch die Jagdgründe genommen worden waren, waren die alten Tage endgültig vorbei, zumindest was das Herumziehen betraft. Den Instinkt haben meine Leute jedoch nie verloren und ist etwas, was nicht beseitigt werden kann.

Der Weg eines Lakota Jägers. HOKA!