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5 indianische Veteranen sind jetzt bereit für den Winter

5 indianische Veteranen und 2 ihrer Nachbarn werden es in diesem Winter in ihren Häusern viel wärmer und bequemer als zuvor haben, dank einer Bewilligung von Home Depot. Es ist allgemein bekannt, dass Indianer von allen ethnischen Gruppen prozentual gesehen den höchsten personellen Anteil bei der Armee stellen. Ihre kulturellen Werte veranlassen sie, ihrem Land zu dienen und das tun sie auch voller Stolz. Die mutigen Taten von indianischen Angehörigen der Armee spiegeln die von ihnen in ihrer jeweiligen Gemeinschaft gelernten und verinnerlichten Werte wider: Stärke, Ehre, Stolz, Hingabe und Weisheit. Auf der Pine Ridge Reservation leben die Veteranen, so wie die anderen Lakota auch, in Häusern, die kaum Schutz bieten. Die Home Depot Stiftung hat sich auf die Unterstützung von Veteranen spezialisiert. Ihr Ziel ist es, sicherzustellen, dass jeder Veteran einen sicheren Ort hat, den er Zuhause nennen kann.

Tony and Bamm

Im September 2012 bekam ONE Spirit 3.750,00 € (5.000,00 $) von Home Depot bewilligt, um Häuser von Veteranen auf der Reservation zu reparieren. Bud Jersild, der als Gebietskoordinator für ONE Spirit vor Ort ist, suchte zusammen mit Home Depot und mehreren Männern von der Reservation sieben Häuser aus, bei denen eine Reparatur eine beträchtliche Verbesserung der Lebensumstände für 5 Veteranen und ihre Familien sowie 2 ihrer Nachbarn bringen würde. Das bewilligte Geld wurde dazu verwendet, benötigtes Material zu kaufen, während sich Männer von der Reservation als Freiwillige an den Arbeiten beteiligten. Da einige der vorgesehenen Arbeiten nur von entsprechend ausgebildeten Handwerkern ausgeführt werden konnten, wurde ein Lakota Zimmermann mit zwei Helfern beauftragt.

Undichte Dächer wurden ersetzt, Sturmtüren angebracht, Fenster abgedichtet, eine alte und verwitterte Verkleidung an einem Trailer ersetzt, eine Wasserpumpe sowie ein Boiler installiert, eine neue Tür angebracht, wo es bisher noch gar keine gab, beschädigter Boden mit Laminat ersetzt und große Löcher in Wänden mit Gipskarton aufgefüllt.

Nachstehend erzählen wir die Geschichte eines der Veteranen, die in diesem Winter viel glücklicher sein werden. Bamm Brewer erklärte sich bereit, die notwendigen Reparaturen an Tony Bushs Haus auszuführen. Dieser ist ein Vietnam-Veteran und war Mitglied der 101sten Luftlandedivision, die als die schreienden Adler bekannt ist.

"Der schreiende Adler" Tony Bush


Nachdem die Arbeiten an Tonys Haus beendet waren, hatten wir Zeit, uns um seinen Propangasherd zu setzen und seinen Geschichten von früher zuzuhören. Er wuchs genauso wie viele andere Kinder auf der Pine Ridge Reservation auf, indem er als Kind und Jugendlicher seine Zeit mit Jagen, Fischen und Reiten verbrachte. Die meiste Zeit lebte er in der Gegend von Porcupine in der Art und Weise, wie es unter den Lakota üblich ist. Damals waren die Schulen noch anders als sie es heute sind und daher schaute sich Tony frühzeitig nach einem Job um, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Als sich die Dinge zuspitzten und es zum Krieg in einem Land namens Vietnam kam, ging Tony davon aus, dass seine Hilfe auf dem weit entfernten Schlachtfeld benötigt wurde. Er meldete sich freiwillig zum Armeedienst und wurde in der Zeit von Juni 1970 bis Juli 1971 nach Vietnam in den Einsatz geschickt. Er war jedoch nicht nur ein einfacher Soldat, vielmehr wurde er Mitglied der renommierten 101sten Luftlandedivision, die auch unter dem Namen "Schreiende Adler" bekannt ist. Hier wurde er zum Fallschirmjäger ausgebildet. Für Tony als jungen Mann war die Entsendung nach Vietnam sehr aufregend. Sein Einsatzort mit der 101sten war in der Nähe von Hue in Südvietnam, wo viele Kämpfe stattfanden und 300 Meilen entfernt von der entmilitarisierten Zone. "Wir waren mit UH1 Hubschraubern unterwegs, die so ähnlich sind wie Sanitätshubschrauber," erzählt Tony. Bei Einsätzen am Boden hatte er als Schütze die Aufgabe, das M60 Maschinengewehr zu bedienen. Bei Einsätzen mit dem Hubschrauber hatte jedes Team seinen eigenen Schützen, der an der offenen Tür postiert war. Trotzdem musste auch Tony oftmals von dort aus mit seinem Maschinengewehr das Feuer eröffnen und schießen, bis ihm der eigentliche Schütze des Hubschraubers signalisierte das Feuer einzustellen. Zu dieser Zeit wog Tony ca. 80 Kilo. Wenn man jedoch seine ganze Ausrüstung und den vollen Rucksack dazurechnete, kam er seiner Meinung nach auf ca. 180 Kilo Gewicht. Die Soldaten mussten sehr vieles mit sich schleppen, um im Feld zu überleben.

Nachdem er zur 101sten Luftlandedivision beordert war und mit deren Hubschrauber in Vietnam unterwegs war, wurde es auch zu seiner Aufgabe, den Vietcong zu finden und alle seine Aktivitäten zu unterbinden. In den 1970 Jahren nannte man dies "Suche und zerstöre sie"; heute sagt man dazu "Bring sie dazu, sich zu benehmen", erklärt Tony. Diese Aufgabe war leichter gesagt als getan. Immer noch fanden Feuergefechte statt, die an den Nerven der Soldaten zerrten. Tony erzählte uns von seinem ersten Feuergefecht und fügte nach einer langen Pause hinzu: "Es war beängstigend, sehr beängstigend. Wir liefen einen Pfad hinunter und urplötzlich wurden wir angegriffen. Man hörte es nur noch knallen und klacken." In ihrem Einsatzgebiet außerhalb von Hue erwachte plötzlich der Dschungel durch das Gewehrfeuer. "Man konnte sie nicht sehen. Man hörte nur die Schüsse und plötzlich wurden die Jungs neben mir getroffen. Irgendwie wurde ich nicht getroffen." In diesem Moment sei es ihm wie ein Wunder erschienen, den Einsatz zu überleben. Dieser junge Lakota aus Porcupine fand sich plötzlich in einer Situation wieder, in der es nur noch darum ging, das Kriegstheater in Vietnam zu überstehen. Die ständige Nähe des Todes und zu viele brenzlige Situationen machten seinen Einsatz in Vietnam zu einem sehr harten. Trotzdem wurde er, bei einer Restdienstzeit von nur noch 17 Tagen, in einen weiteren gefährlichen Einsatz geschickt. Er wurde mit einige Kameraden in eine Gegend geschickt, in die der Vietcong eingedrungen war. Alle Bewohner eines Dorfes waren ermordet und die Leichen in ein Massengrab geworfen worden. Anschließend hatte der Vietcong das Dorf übernommen. Die Aufgabe war, das Dorf zurück zu erobern und die Ordnung wiederherzustellen. Dort sah er, was Menschen Menschen antun können. "Das Grab war so groß wie ein Fußballfeld." Tony erzählte uns von seiner Angst vor dem Einsatz und mit welcher Eile sie zu diesem neuralgischen Punkt flogen sowie seiner Angst, dass er nicht mehr nach Hause kommen würde, obwohl er zu diesem Zeitpunkt doch nur noch 17 Tage Dienst vor sich hatte. Er schob jedoch in Gedanken alles beiseite und bestieg den Hubschrauber. Er war schließlich ein schreiender Adler.

Tony als Schreiender Adler

Botschaft eines Lakota Fallschirmjägers an zurückkehrende Veteranen

Das Leben nach seinem Einsatz in Vietnam war für den Lakota Fallschirmjäger schwierig. Er fing an zu trinken und fand kaum noch Schlaf. "Das geringste Geräusch weckte mich. Ich war es auch nicht mehr gewohnt, zu Hause zu schlafen". Es passierte viele Male, dass ihn sein Vater Eugene mitten in der Nacht plötzlich auf dem Fußboden vorfand. "Sohn, Du bist jetzt zu Hause, Du bist nicht mehr da drüben, Du musst das nicht machen," sagte ihm sein Vater immer. Die Erinnerungen an die Kämpfe werden ihn für immer begleiten, da er doch eigentlich als Beschützer seiner Gemeinschaft (oyate) erzogen worden war. "Die ersten 3 Jahre nach Vietnam waren hart," sagt Tony. Langsam besserten sich die Dinge und mittels der Spiritualität der Lakota eröffnete sich ihm eine neue Welt. Tony ist jetzt seit 23 Jahren trocken und hat während 17 Jahren am Sonnentanz teilgenommen. Heute hilft er bei den Rick Two Dogs und Knife Chief Sonnentänzen beim Kochen und dabei, die Feuer in Gang zu halten. Tony ist für seine Leute zum Vorbild, aber auch wieder ein ganz normaler Mann geworden. Manchmal sieht man ihn, wie er die Straße entlang geht in Richtung Porcupine. Er kann immer noch einen schweren Rucksack mit Lebensmitteln schleppen. Er ist ein netter Mann, der mich "Bruder" nennt. Ich nenne ihn Onkel. Die drei langen Tage, die wir mit ihm verbracht haben, waren etwas ganz besonderes. Sein Hauptanliegen war, eine Schwitzhütte abzuhalten sowie die nächste bevorstehende Zeremonie. Er hat in der Tat eine besondere Verbindung mit allen heutigen Kriegergesellschaften. Die Botschaft, die er allen Soldaten, die jetzt von Afghanistan und aus dem Irak zurückkommen, übermitteln möchte ist, "findet etwas ähnliches wie die Spiritualität der Lakota, da Eure Seelen jetzt eine Auszeit brauchen." Wir haben den Tag mit Tony sehr genossen. Das Gefühl, das mich beschlich, als er die Dinge, die er gesehen und durchlebt hatte, schilderte, schluckte ich hinunter und konnte so plötzlich einen Mann sehen, der von den Geistern beschützt wurde, damit er wiederum anderen helfen konnte. Dafür steht auch sein Lakota Name "Bewegendes und strahlendes Pferd". Wir danken Tony dafür, dass er uns seine Geschichte erzählt hat und ein großer Held für uns ist. Am meisten danken wir ihm jedoch dafür, dass er ein Ansprechpartner für unsere Soldaten ist, die jetzt nach Hause kommen. Halten wir alle, die gedient haben, in Ehren und verneigen wir uns insbesondere vor denen, die von oben kamen, den schreienden Adlern. Hoka!