Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützer von One Spirit,

heute möchten wir die Gelegenheit nutzen und Ihnen mit einem kurzen Rückblick auf das Jahr 2016 zeigen, was wir mit Ihrer Hilfe im vergangenen Jahr auf der Pine Ridge Reservation bewegen konnten.

Im Januar herrschten eisige Temperaturen in Süddakota, dennoch war es in vielen Haushalten auf der Reservation schön warm: wir konnten von der 10.000 Dollar-Spende der Plattform „Kind Causes“ viele Familien mit Holz und Heizöl versorgen, so dass sie sicher über die kalten Monate kamen.

Im Laufe des Jahres kristallisierte sich immer mehr heraus, dass der Hunger leider nach wie vor eine große Rolle auf der Reservation spielt, von daher investierten wir viel Kraft in den Ausbau des Lebensmittelprogrammes. Bisher versorgte One Spirit am Lebensmitteltag ca. 300 Familien mit Lebensmittelboxen und erreichte damit ungefähr 3000 Menschen, denn bei den Lakota wird alles mit der ganzen Familie und Freunden geteilt- auch, wenn die Lebensmittel dann für einen selber weniger lange reichen. Bei der Lebensmittelausgabe kamen aber immer mehr Menschen – sogenannte „walk-ins“-die nicht auf der Verteilerliste standen und fragten nach übrig gebliebenen Lebensmitteln. Dies nahm immer mehr zu und an einem Wochenende kamen 180 Personen! Um niemanden mit leeren Händen wegschicken zu müssen, bemühte sich One Spirit, mehr Lebensmittel einzukaufen als sonst. Die Nachfrage stieg immer weiter, besonders vor Feiertagen wie Thanksgiving (Erntedank) oder Weihnachten kamen viele Anfragen/Anrufe und Bitten von Familien, die nicht wussten, wie sie ihre Kinder über die Feiertage versorgen sollten. Daher bestellt One Spirit mittlerweile Lebensmittel für ca. 500 Familien, also in etwa 5000 Menschen. Einerseits fanden wir es schrecklich, dass immer mehr Lakota hungern und ohne Hilfe von außen nicht über die Runden kommen, andererseits haben wir uns gefreut, dass sie in One Spirit einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner sahen und zu uns kamen. One Spirit scheint immer mehr Menschen auf der Reservation bekannt zu sein.

Inhalt einer Lebensmittelbox Füllen der Lebensmittelboxen

Um den gestiegenen Bedarf an Lebensmitteln decken zu können, wurden natürlich Spenden benötigt, so führte One Spirit in den USA mit verschiedenen Partnern Spendenläufe, -konzerte und sogar eine Motorradausfahrt durch. In der Vorweihnachtszeit gab es dann eine 12 Wochen dauernde Kampagne, bei der gezielt um Spenden für das Lebensmittelprogramm geworben wurde. Unter den Spendern wurden jede Woche von den Lakota handgefertigte Kunstgegenstände wie Schmuck, Bilderrahmen oder ein Teppich verlost. Wir freuten uns über die rege Teilnahme auch aus Deutschland.

runder Teppich Büffel

 

Ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen den Hunger ist der Bau des Schlachthauses, welches jetzt bald fertiggestellt werden soll. 2016 wurde der Innenausbau vorangetrieben, so wurde u.a. die Elektrik verlegt.

Auch wurde ein Gewächshaus errichtet und zusammen mit Rosie, der deutschen Besitzerin der Singing Horse Trading Post, Pläne für Gärten geschmiedet. Diese sollen nach der Schneeschmelze im Frühjahr in die Tat umgesetzt werden. Rosie wird dabei mit einer im Gärtnern erfahrenen Lakota namens Ohitika Sierra den Lakota auf Pine Ridge helfen, die Gärten und das Gewächshaus zu betreiben und so Obst, Gemüse und Kräuter für den Eigenbedarf anzubauen.

Bau eines Gewächshauses  Rosie und ihre Helfer 

Wir hoffen, dass nun auch die 2016 vorbereiteten „Food Banks“ in Betrieb gehen können. Dies sollen kleine Versorgungsstationen sein, bei denen immer Lebensmittel vorrätig sind und die Lakota für kleines Geld oder Mitarbeit in den Läden sich mit Nahrung versorgen können. Dazu wurden 2016 die Räume hergerichtet und Regale sowie Gefrier- und Kühlschränke angeschafft.

Dann gab es im vergangenen Jahr natürlich noch ein zweites beherrschendes Thema: den größten organisierten Widerstand der Indianer seit mehr als 150 Jahren! Die Nachrichten von der Standing Rock Reservation in Norddakota, wo sich die Bewohner gegen den Bau der Dakota Access Pipeline zur Wehr setzten, ließen auch auf Pine Ridge niemanden kalt. Ihre Verwandten widersprachen ja nicht nur dem Bau der Pipeline durch ihnen heiliges Gebiet, auf dem sich Zeremonial- und Begräbnisstätten befinden, sondern warnten auch vor den Umweltrisiken: da die Pipeline an einer Stelle unter dem Mississippi hindurchführen soll, wäre bei einer Leckage die Trinkwasserversorgung für 18 Mio. Amerikaner gefährdet! Hatten zunächst nur die Dakota der Standing Rock Reservation protestiert, zogen immer mehr Abgesandte anderer Stämme, Prominente und weiße Farmer in ihr Protestcamp, um ihre Unterstützung zu bekunden. Die Polizei und das Militär gingen mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. So wurden betende und singende Großmütter mit Reizgas und Wasserwerfern attackiert. Die nationale und internationale Presse wurde erst durch die Verhaftung einiger Hollywoodstars, die sich mit den Indianern solidarisch zeigten, auf die Vorgänge aufmerksam, so dass mittlerweile auch hierzulande über Standing Rock berichtet wird. One Spirit unterstützte jugendliche Läufer aus Pine Ridge, die sich dem Protest anschließen wollten und die 500 Meilen bis zum Camp laufend (!) zurücklegten. So wurden Schlafsäcke, Zelte und Verpflegung gekauft. Von den erhaltenen Spenden konnten auch 2 Büffel geschlachtet und das Fleisch an das Camp geliefert werden.

Eine Läufergruppe Wir schützen das Wasser

Auch die anderen Programme von One Spirit liefen wie gewohnt. Die Kinder und Jugendlichen können in mehreren Kinderhäusern und der „Bärenhöhle“ Schutz finden, spielen und eine warme Mahlzeit erhalten. Der Crazy-Horse-Ritt war wie immer ein großer Anziehungspunkt für die Jugend und wurde von One Spirit logistisch und mit Lebensmitteln unterstützt. Auch eine Suppenküche und ein Obdachlosenheim erhalten weiterhin Lebensmittel von One Spirit.

Wie in den Jahren zuvor war One Spirit Deutschland in 2016 aktiv: mit Infoständen bei den Karl-May-Festtagen in Radebeul, den Borsdorfer Country- und Westerndays, und bei einem Symposium zur Situation der Indianer heute in Heidelberg konnten wir viele Menschen erreichen,  interessante Gespräche führen, aber auch neue Unterstützer gewinnen und Spenden sammeln. Im Sommer konnte unsere Schatzmeisterin G. Trümper die Arbeit von One Spirit vor Ort besichtigen, als sie die Pine Ridge Reservation besuchte und an der Lebensmittelverteilung teilnahm. Dabei konnte sie auch einen symbolischen Scheck für den Bau des Schlachthauses an Bamm Brewer, den Leiter des Lebensmittelprogrammes, überreichen.

Scheckübergabe  Scheck 

Wir konnten die gute Zusammenarbeit mit dem Traumfängerverlag und dem Karl May Museum in Radebeul fortführen und waren mit einem Infostand zu Gast beim Konzert von Mitch Walking Elk und Wade Fernandez im Garten des Museums.

Mit zunehmender Berichterstattung über Standing Rock in den deutschen Medien erreichten auch uns Anfragen hierzu. Erfreulich viele Menschen wollten die Demonstranten unterstützen und haben auch gespendet.  

Gegen Ende des Jahres konnten wir auch die Zusammenarbeit mit Boost beginnen. Damit können wir Spenden generieren, wenn registrierte Nutzer in bestimmten Onlineshops einkaufen. Dies ist eine wunderbare Sache und wir wünschen uns für 2017, dass noch mehr One Spirit-Unterstützer bei Boost mitmachen, da es für Sie kostenlos ist. Die Spenden zahlen die Onlineshops. Auch bei Amazon Smile sind wir mittlerweile registriert.

Insgesamt war 2016 ein erfolgreiches Jahr für uns. Über das Spendenaufkommen für das Lebensmittelprogramm haben wir uns sehr gefreut, war es doch bitter nötig.

Wir danken Ihnen allen, dass Sie uns 2016 die Treue gehalten und uns unterstützt haben, ob beim Flyer verteilen, als Übersetzer oder Spender oder mit interessanten Gesprächen und Anregungen an unseren Ständen.

Wir wünschen Ihnen allen ein glückliches, erfolgreiches und gesundes Jahr 2017 und hoffen, dass Sie uns auch weiterhin verbunden bleiben, damit wir gemeinsam mit den Lakota noch viel erreichen können. So freuen wir uns 2017 auf die Fertigstellung des Schlachthauses, die Inbetriebnahme von Gewächshaus und Gärten und die Eröffnung der „Foodbanks“.

Ihnen allen ein herzliches Dankeschön im Namen der Lakota – Wopila tanka!