A- A A+

Bamm Brewer arbeitet nicht nur für das Lebensmittel- sondern auch für das Holzprogramm. Lesen Sie hier seinen Bericht über die letzte Holzzustellung auf der Reservation.

In dieser Nacht war der Himmel übersäht mit Sternen und wenn das im Winter vorkommt, wird es richtig kalt. Es lag auch noch eine Holzbestellung vor, die ausgeführt werden mußte. Der Empfänger hieß Leroy. Mat hatte ihm bereits in der Vergangenheit Holz gebracht und würde auch dieses Mal wieder zu ihm fahren. Ich beschloß mitzufahren und zu helfen. Es ging in die Gegend von Oglala. Die Heizung in unserem Pickup war neulich ausgefallen, daher war ich morgens, bevor wir aufbrachen, damit beschäftigt, sie zu reparieren. Es klappte zum Glück und wir saßen auf der Fahrt im Warmen. Auf dem Weg zu Leroy kamen wir bei Sarah vorbei und stellten fest, dass sie überhaupt kein Holz mehr hatte. Wir ließen ihr eine Ladung da, worüber sie sehr glücklich war. In dieser Nacht mußte sie nicht frieren.

Lt. Mat wohnt Leroy an der Oglala Dam Straße. Dort fuhren wir anschließend hin und fanden ein kleines Haus mit nur einem Zimmer. Ein Plumpsklo sowie eine Wasserpumpe befanden sich vor dem Haus. Es sah so aus als ob niemand zu Hause wäre. Wir entdeckten auch einen kleinen Rest Holz vor dem Haus, aber der reichte nicht mehr lange. Jeri wollte eigentlich Fotos der Auslieferung von uns haben, da wir aber den ganzen Tag Holz gesägt hatten, konnten wir erst gegen Abend mit der Auslieferung beginnen. Leider waren die Lichtverhältnisse dann so schlecht, dass es keinen Sinn machte zu fotografieren.

Als wir ausstiegen und gerade mit Abladen beginnen wollten, hörte ich plötzlich Geräusche im Haus. Leroy war also zu Hause. Er öffnete die Tür, um zu sehen, wer gekommen war und Mat sagte: "Leroy, ich bin's. Ich bringe Dir Holz. Wie fühlst Du Dich heute?" Seine Antwort bestimmte die Stimmung während des Rests der Auslieferungsfahrt. Er sagte nur ein Wort: "Einsam". Er lebte jetzt schon seit ewiger Zeit allein dort draußen. Während wir das Holz abluden, versuchten wir ihn aufzumuntern. Er freute sich sehr über das Holz und bedankte sich bei allen Leuten für die Hilfe. Er meinte, jetzt hätte er eine Sorge weniger. Es war für uns alle ein sehr kalter Winter.

Leroy ..................................................... Leroy and puppy

 

Ich ging zum Haus und bat Leroy, den Empfang zu quittieren. Außerdem hoffte ich, noch ein Foto machen zu können. Nachdem er uns gesagt hatte, dass er sich einsam fühlt, beschlossen Mat und ich, noch eine Weile bei ihm zu bleiben. Er hatte einen Welpen und dieser kam nach einer Weile aus dem zweiten Raum des Hauses. Offensichtlich gab es hier doch mehr als nur ein Zimmer. Wie wir sehen konnten, gab es kaum Möbel im Haus. Der Welpe kam, stand neben Leroy und schien ganz glücklich zu sein. Er wedelte mit dem Schwanz und wollte spielen. Als ich mich umschaute bemerkte ich, dass Leroy weder einen Fernseher, noch ein Sofa, einen Stuhl oder einen Tisch hatte. Außerdem stellte ich fest, dass die Decke über Leroy dabei war, herunterzubrechen. Die Isolierung hing herunter, da die Abdeckung fehlte. Er stand im Raum, unterhielt sich mit uns und erzählte uns, wie es ihm hier so geht. Während dessen fing der Welpe an, an seinen Schuhen zu kauen und uns anzukläffen. Dann dachte ich an etwas, das unsere Handlungsweise ändern könnte. Ich wünschte, ich hätte eine Lebensmittelbox dabei. Wenn jemand kaum noch Holz hat, mangelt es im allgemeinen auch an Lebensmitteln.

Beim Wegfahren mußte ich immer wieder an den alten Herrn und sein Gefühl der Einsamkeit denken. Ich bin froh, dass ich jetzt weiß, wo er wohnt und wie schwer er es hat, da unsere Ältesten Priorität haben. Es ist nicht leicht für die Leute und wenn wir mit solchen Situationen konfrontiert werden, merken wir, wo wir mit unserer Hilfe ansetzen können. Wir müssen über den kommenden Sommer und Herbst einen großen Holzvorrat anlegen. Für unsere Mannschaft im Westen der Pine Ridge Reservation ist es jetzt das dritte Jahr, in dem wir für das Holzprogramm arbeiten. Wir werden ganz sicher über den Sommer genug Holz vorbereiten, damit es im kommenden kalten Winter ausreicht.

Ein paar Tage vergingen und ich erhielt immer mehr Anrufe. Einer davon kam von Lovey Two Bulls aus der Gegend von Red Shirt. Sie hatte eine ausgefallene Bitte. Sie fragte nicht nach Holz sondern meinte: "Wir brauchen hier eine Motorsäge". Das erstaunte mich, da sie im Bereich der Badlands wohnt, wo es kein Holz gibt, d. h., es muß ihr erst gebracht werden. Ich hatte ihren Namen schon einmal gehört, sie aber noch nicht persönlich getroffen. Dann rief sie wieder an und sagte, sie müsse in die Stadt fahren und käme mit einem Pickup. Sie fragte, ob sie bei unserem Verteilzentrum vorbeikommen könne. Wir trafen uns dann dort, beluden ihr Fahrzeug mit Holz und gaben ihr auch Lebensmittel mit. Sie war sehr froh, als sie wieder fuhr. Ich würde gern noch mehr tun, um den Menschen in Red Shirt zu helfen. Nachdem ich Lovey gesehen hatte, war ich erleichtert zu wissen, dass sie Holz bekommen hatte. Als ich nach Hause kam, fand ich in Facebook eine Nachricht von jemandem aus Red Shirt, der mir mitteilte, dass dort eine Großmutter ebenfalls Holz benötigt. Wir haben noch genug Holz und es sieht so aus, als würde ich eine weitere Person von unseren Ältesten kennenlernen.

Bamm Brewer