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Grußmutter Bessie Waters besucht das Verteilzentrum

Bericht von der Lebensmittelverteilung am Sonnabend, dem 29.Juli

von Bamm Brewer

 

Wir hatten an diesem Tag nicht genug Fahrer, aber das hielt uns nicht lange auf. Da Mark jetzt damit anfängt, den Pritschenwagen zu benutzen, können wir meistens eine größere Ladung auf einmal transportieren. Daher hat es glücklicherweise ausgereicht, mit zehn Freiwilligen zu arbeiten.

Nach dem Spendenrückgang während der letzten Monate konnten wir am vergangenen Samstag wieder eine größere, ausreichendere Anzahl von Lebensmittelboxen verteilen.

Einige One Spirit Unterstützer waren gekommen, um uns am Lebensmitteltag zu helfen. Mya und Tony und ihre Tochter kamen nach South Dakota, um ein bisschen Sommerspaß auf der Rez zu haben und um zu helfen. Es ist ungefähr so viel Murks passiert wie sonst auch. Einiges davon würde jeden zum Lachen bringen, aber manches ist auch völlig abwegig.

Das gilt auch für etliche der Geschichten, die uns die Leute erzählen. Aber auf jeden Fall sind alle wirklich glücklich, etwas zu Essen zu bekommen. Wir brauchen momentan mehr Helfer beim Einsortieren des Essens in die Lebensmittelboxen, weil das Wetter heiß und es wichtig ist schnell zu sein, damit das Fleisch so kalt wie möglich bleibt. Juli ist einer der besten Monate für gartenfrisches Gemüse, und dieses Mal war das Gemüse wirklich besonders frisch. Die Firma Rilling's Produce muss wirklich eine große Farm haben, denn es gab richtig viel frisches Gemüse mit großen Firmenlogos auf den Boxen.

Nach all diesen Jahren ist es mir immer noch eine echte Freude und es macht mich sehr zufrieden, wenn ich beim One Spirit Lebensmittelprogramm mitmache. In den letzten paar Monaten hat es mich aber dann doch in den „Stress-Modus“ versetzt, als ich erlebt habe, wie die Liste mit den Lebensmittel-Anfragen immer weiter angewachsen ist. Innerhalb kurzer Zeit ist die Anzahl von 250 Boxen auf 600 Boxen angestiegen. Das Lebensmittelprogramm ist in den vier Jahren, seit denen ich hier bin, wirklich deutlich gewachsen. Nachdem wir die aktualisierte Liste für diesen Monat angeschaut haben, waren wir etwas erleichtert darüber, dass wir nur 400 Boxen füllen und verteilen mußten. Die niedrigere Anzahl fühlt sich wirklich entspannter und weniger stressig an. Leider scheint das Essen noch schneller alle zu werden -  und wenn es weg ist, ist es weg. Die Leute müssen wirklich pünktlich vor Ort sein, um ihre Boxen zu holen. Nachdem wir nun wieder auf eine geringere Anzahl von Lebensmittel-Boxen zurückgegangen sind, haben wir jetzt keine extra Rationen mehr, die noch herumstehen, falls jemand nicht zu Hause ist. Das bedeutet, wenn man viele Lebensmittel zur Verfügung hat und dann aber weniger verteilen muss, entsteht eine schwierige Situation, in der man sicherstellen muss, dass das Essen ordentlich behandelt wird und frisch bleibt.

Es berührt mein Herz besonders, wenn ich sehe, dass eine Großmutter hereinkommt und lächelnd unserer Arbeit zuschaut. Für die Crew in der Garage ist das immer ein Höhepunkt des One Spirit Lebensmittelprogramms. Wenn einer der Ältesten zu uns kommt, dann hören nach und nach einer nach dem anderen auf zu arbeiten, um stattdessen diese Gegenwart des Ältesten zu genießen und mal eine Pause zu machen. Die Leute hier respektieren die Ältesten sehr. Wenn du einem begegnest, dann unterbrichst du deine Arbeit und zollst ihnen Anerkennung. An diesem Samstag hatten wir das besondere Glück, dass Großmutter Bessie Waters zu uns in die Garage gekommen ist. Sie begrüßte uns mit einem Lächeln und einer warmen Umarmung. Es war ein kurzer Besuch, aber irgendwie hat es mich daran erinnert, was wir hier eigentlich tun: Wir helfen Menschen an einem Ort, wo diese Hilfe wirklich benötigt wird. Ich sah eine herzliche, fürsorgliche Großmutter und die Liebe zu ihrem Volk in ihren Augen. Eine solche Begegnung erinnert dich daran, was du wirklich tust und es erinnert uns an die Art und Weise, wie wir in den alten Zeiten gelebt haben.

Wenn in den alten Tagen die Lakota-Jäger in das Lager zurückkehrten und Büffelfleisch mitbrachten, wurden sie mit besonderer Ehre begrüßt. Manchmal sind sie für mehrere Tage unterwegs gewesen, da die Büffel immer schwerer zu finden waren; bis diese traditionelle Hauptnahrungsmittelquelle des Stammes fast komplett ausgelöscht wurde. Wenn die Krieger mit Jagdbeute zurückkamen, wurden sie bejubelt und Kriegsrufe vor Glück waren zu hören. Das gab einem das Gefühl von Ehre.

Auf dieselbe Weise ist es für uns eine Ehre, wenn eine Großmutter hereinkommt und mit einem Lächeln unserer Arbeit zuschaut. Wir werden erfüllt von Stolz und verlangsamen unser Tun für eine Weile, um den Moment zu genießen und dabei dankbar zu sein, dass wir genau das tun können, was wir tun. Alle Leute, die in der Garage arbeiteten, hielten einen Moment inne und gingen zu Großmutter Bessie hinüber und schüttelten ihre Hand oder umarmten sie. Ich habe diesen Moment wirklich geliebt. Einfach zu fühlen, dass diese Ehre wichtig ist – auch als eine Belohnung. Und es war ein Hinweis darauf, dass wir die Ehre in jeder guten Sache fühlen sollten, die wir täglich tun. Mit anderen Worten: es bedeutet, in Ehre zu leben.

Ich sitze hier und blicke zurück auf zwei Tage, die ich mit der Essensverteilung verbracht habe und ich habe das Gefühl, dass ich es gar nicht erwarten kann, im nächsten Monat wieder dabei zu sein. Aber andererseits möchte ich auch nicht, dass der Sommer zu schnell vorübergeht. Am Sonntagnachmittag waren wir gegen 14.00 Uhr fertig, als uns die Lebensmittel ausgingen und wir am CLP ("Critical Low Point" – am „kritischen Niedrigpunkt“) angekommen waren.

Es gibt dir ein gutes Gefühl, den Menschen zu helfen, und es fühlt sich gut an, mit diesem besonderen Ehrgefühl zu leben.

 

Danke, ihr One Spirit Sponsoren, dass ihr den Menschen immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

 

Wopila Tanka! – Ganz vielen Dank!