Damit man einen etwas besseren Einblick bekommt was es bedeutet, eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen, hat One Spirit mit John Carmen gesprochen. John hat schon vor mehr als 20 Jahren damit begonnen, mehrere Indianische Kinder zu unterstützen. Dabei hat er bis zu vier Kinder gleichzeitig gesponsert. Alle diese Kinder sind inzwischen erwachsen. John hat die Patenschaften durch die Organisation „Futures with Children“ vermittelt bekommen; diese Organisation gibt es inzwischen aber nicht mehr.

Zwei der Kinder, die er unterstützt hat, zogen mit ihren Familien [von der Reservation] weg, als sie noch klein waren. Auch das kann auf der Reservation vorkommen. Mit den anderen drei Kindern ist er weiterhin in Kontakt geblieben und inzwischen haben sie ihre eigenen Familien. John selbst hat auch Kinder – seine Zwillinge sind inzwischen 12 Jahre alt und jetzt, da seine Kinder nicht mehr ganz so klein sind, möchte er wieder Sponsor werden.

"Ich möchte meinen Kindern das Leben auf der Reservation zeigen. Ich möchte, dass sie darüber Bescheid wissen.", sagte er. "Und ich möchte wirklich alle, die überlegen, eine Patenschaft zu übernehmen, dazu ermutigen, das tatsächlich auch durchzuführen. Solch eine Patenschaft ist eine der tiefsten Beziehungen, die ich je in meinem Leben hatte."

Boy playing

Hier kommt seine Geschichte:

John Carmen lebt im nördlichen Kalifornien, das ist zwei Tage Autofahrt entfernt von der Navajo- und Hopi-Reservation, wo die fünf indianischen Kinder, die er unterstützt hat, aufwuchsen. Wegen der großen Entfernung und dem Zeitaufwand für die Hin- und Rückfahrt waren seine Besuche dort selten und die Familien auf der Reservation hatten damals keine Telefone.

Seine Kontaktvermittlerin von „Futures with Children“ schlug ihm vor, dass John jeden Monat einen Brief an jedes der von ihm geförderten Kinder schreibt. Stattdessen beschloß John, 52 Briefe pro Kind pro Jahr zu schreiben - einen Brief jede Woche, egal was kommt. Seine Kontaktvermittlerin brachte die Briefe persönlich zu den Kindern.

Die höchste Priorität in den indianischen Kulturen ist die Erziehung der Kinder. Indianische Kinder werden respektiert. Es gilt als selbstverständlich, dass die Frauen, die ja die Kinder bekommen, später auch die Kinder erziehen. Deshalb war es gut, auf der Reservation eine weibliche Kontaktperson zu haben. Als eine gute Ratgeberin hat sie den Aufbau einer persönlichen Beziehung unterstützt und die Kinder dazu ermutigt, auf die Briefe zu antworten.

Schließlich fingen die Kinder nach und nach an, alle paar Wochen zu schreiben und Johns Briefe zu beantworten. Alle Kinder, bis auf eines. . .

Dieser Junge bekam für eineinhalb Jahre jede Woche einen Brief von John - 78 Briefe - bevor er schließlich antwortete und seinen ersten Brief zurück schrieb. Da war er schon in der sechsten Klasse. Er wurde auf einer Navajo-Reservation groß und wurde von seiner Großmutter in einem Hogan [= das traditionell aus Holz gebaute, runde Wohnhaus der Navaho/Diné] aufgezogen, wo es weder Elektrizität noch fließendes Wasser gab. Seine Großmutter hütete Schafe und sprach nur Navajo.

Der Vater hatte die Familie gleich nach der Geburt des Jungen verlassen und seine Mutter ging fort, als er erst fünf oder sechs Jahre alt war.

"Natürlich hat er mir nicht gleich geschrieben", sagte John sachlich. "Er wollte nicht schon wieder enttäuscht und allein gelassen werden."

John sagt, Sponsoren sollten nicht erwarten, etwas zurück zu bekommen: "Es ist wichtig, bedingungslose Liebe zu geben. Man muss es so verstehen: Es geht nicht um mich, es geht um SIE", fügte er hinzu," und wenn man das tut … jedenfalls die Geschenke, die ich von allen diesen fünf Kindern bekommen habe, sind von unschätzbarem Wert."

John schrieb den Kindern weiterhin und wurde ein enger Freund von jedem von ihnen. Aber die engste Beziehung entwickelte sich zwischen ihm und dem Jungen, der für eineinhalb Jahre nicht zurückgeschrieben hatte.

Schließlich machte John die zweitägige Reise und besuchte diesen Jungen und seine Großmutter in ihrem Hogan. Als Geschenk nahm er Früchte mit.

Der Junge machte seinen High School Abschluss und ging dann zu einem Junior College in Santa Fé, New Mexico. Eines Tages telefonierte er mit John: "Ich schaffe das nicht mehr", sagte er. "Alle meine Freunde von zu Hause sagen, dass ich so tun würde, als ob ich weiß wäre. Und dass ich dorthin zurückkommen soll, wo ich hingehöre. Ich passe einfach nicht hierher und ich schaffe das nicht. Es ist so hart."

Diese Situation erleben Jugendliche sehr oft, die ihr Zuhause auf der Reservation verlassen, um aufs College zu gehen.

"Nun, ich kann dir einen Tutor [Mentor/ Nachhilfelehrer] besorgen, denn ich glaube an dich", sagte John. Aber die Entscheidung lag natürlich bei dem Jungen. John gab ihm weder einen Rat, noch fällte er ein Urteil. John fragte einfach: "Diese Freunde, die dir all diese Dinge erzählen - was machen die aus ihrem Leben?"

Der Junge antwortete…. Daraufhin sagte John: "Ok, ich verstehe – also einfach nur abhängen? Und haben sie was mit Drogen oder Alkohol zu tun?"

- Ja, das haben sie.

Kids riding

 

 "Was würde deine Großmutter dazu sagen?" wollte John wissen.

Am nächsten Wochenende fuhr der Junge nach Hause, um seine Großmutter zu besuchen. Und alle seine Verwandten hielten eine Zeremonie für ihn ab und beteten den ganzen Tag lang. Dann traf der Junge seine Entscheidung und fuhr am folgenden Tag zum Junior-College nach Santa Fé zurück. Als er seine Kurse da beendet hatte, ging er von dort aus zu einem College in Süd-Colorado, wo er seinen Ingenieur-Abschluss machte.

Heute ist dieser Junge ein Mann von 35 Jahren, mit einer Frau und einem kleinen Kind. Er ruft John am Vatertag an und nennt ihn "Dad". John denkt an ihn, als sei er sein Sohn und er nennt ihn auch so.

Als er und seine Frau das erste Mal nach Kalifornien flogen, um John zu besuchen, war es das erste Mal, dass das Paar überhaupt mit einem Flugzeug geflogen ist. Von unterwegs bekam John einen Anruf von ihnen mit der Frage: "Ist Ontario wirklich in der Nähe von San Francisco?" – denn sie waren am falschen Flughafen angekommen – in “Ontario,CA” (für Ontario / CANADA statt – wie geplant - in Ontario / CALIFORNIA). Daraufhin bat John sie, jemanden von der Fluggesellschaft zu finden, mit der er sprechen konnte. Die einzige Person, die sie finden konnten, war ein Mann vom Gepäckservice. John sprach mit dem gutherzigen Gepäckträger, der dann anbot, dass verirrte Paar zum richtigen Gate zu begleiten, damit sie sicher waren, dieses Mal in das richtige Flugzeug zu steigen.

Der Höhepunkt dieser Reise war der Besuch des Paares am Pebble Beach. Keiner von beiden hatte jemals das Meer gesehen. Sie starrten aufs Meer hinaus und gingen ganz langsam an das Wasser heran, bis sie schließlich am Ufer anhielten und voller Ehrfurcht über die unendliche Weite des Meeres blickten.
John sah schweigend zu. Schließlich berührten sie mit ihren Füßen sanft das Wasser. Ein paar Minuten später planschten, sprudelten und bespritzten sich die beiden im Meer, sprangen lachend auf und ab und spielten wie Sechsjährige. "Das war magisch für mich", sagte John.

Girl sleeping

Bei einem anderen Besuch lud John sie zum Thanksgiving Buffet auf die Spitze des Mark Hotels ein. Hinter sich hatten sie eine schöne Aussicht auf die Skyline von San Francisco. Plötzlich ließ der junge Navajo den Kopf fallen und Tränen liefen ihm über das Gesicht. (Er versuchte nicht, die Tränen zu verstecken, denn in seiner Kultur versteckt man die Tränen nicht.) John war besorgt. "Ist alles in Ordnung?", fragte er.

"Ich bin so glücklich, dass es mich zum Weinen bringt", antwortete er.

Am nächsten Tag sagte er: "Weißt du, John, wir kommen hierher, um dich zu besuchen. Du brauchst uns nicht zu besonderen Sehenswürdigkeiten führen, wenn wir kommen. Wir kommen, um bei dir zu SEIN."

John meinte dazu: "Ich denke, deshalb heißt es: “Der Menschen IST”. Und nicht “Der Mensch tut."

Im Laufe der Jahre machte John sechs Reisen, um alle Kinder zu besuchen, die er auf den beiden Reserva­tionen unterstützt hat. Das Hopi-Mädchen, das er sponserte, besuchte er, als sie noch klein war.
Sie lebte mit ihren Großeltern in einer Lehmhütte direkt auf der Spitze eines Hügels. Die Zimmer wurden durch Decken unterteilt. Die Fenster hatten keine Glasscheiben. Einmal saß John auf dem Fensterbrett und blickte fast 100 m nach unten, wo der Großvater des Mädchens gerade an einem Kachina Tanz teilnahm.

"Ich fühlte mich mit ihnen enger verbunden als mit Menschen, die ich seit Jahren kannte", sagte John. "Hier [in der „weißen“ Welt] erlebst du nicht diese tiefe Art von Zufriedenheit. Aber wenn wir uns einfach nur umblicken, um die Vielfalt zu genießen, dann erscheint dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit und Eins sein, dass uns alle verbindet."

"Du musst dein Ego loslassen und mit ehrlicher Freundlichkeit und Mitgefühl auf sie zugehen."

John macht eine kurze Pause und fügt dann leise hinzu: "Weißt du, in unserer westlichen Kultur wird uns beigebracht, dass wir alles beherrschen, alles kontrollieren sollen. Aber die indianische Kultur schaut auf das Leben an sich. Alles hat seine eigene Energie und sie sehen überall um sich herum das Leben an sich, alles ist belebt. Und voller Liebe."

Powwow kids

 

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 Viele Lakota Kinder auf der Pine Ridge Reservation brauchen einen Sponsor. Wenn Sie oder Ihre Freunde darüber nachdenken, eine Patenschaft zu übernehmen / ein Sponsor zu werden, dann schreiben Sie uns bitte ein Email unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und schicken Sie uns die ausgefüllte Sponsorencheckliste, die Sie hier herunterladen können.

 

Pate für ein Kind in Pine Ridge

Girl

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen? Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie so eine Patenschaft funktioniert?

Für viele Familien auf Pine Ridge ist der Hunger das ganze Jahr über ein Problem. Ebenso ist es jeden Winter ein Problem, sich warm zu halten. In vielen Häusern gibt es keinen elektrischen Strom und sanitäre Anlagen. Wenn die Eltern darum kämpfen müssen, genügend Lebensmittel zu besorgen, um ihre Familien satt zu bekommen, ist es oft unmöglich, noch ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk für die Kinder zu kaufen oder am Beginn des neuen Schuljahres jedes der Kinder mit neuen Schulmaterialien und neuer Kleidung auszustatten.

An dieser Stelle kommen die One Spirit Sponsoren ins Spiel.

Die Gebietskoordinatoren von One Spirit stellen dem zukünftigen Sponsor die Adresse der Familie und das Geburts­datum des Kindes zur Verfügung sowie eine kurze Beschreibung über die Interessen des Kindes und was im Moment am dringendsten benötigt wird.

One Spirit empfiehlt, dass der Sponsor der Person oder Familie mindestens viermal im Jahr eine Sendung schickt:

1.) zum Geburtstag
2.) zu Weihnachten
3.) Back-to-School Kleidung (im September; am Beginn des neuen Schuljahres)
4.) zu einer anderen Zeit nach Wahl des Sponsors (hilfreich ist oft zu Beginn des Winters).

Briefe von Sponsoren an die Kinder, die sie jeweils unterstützen, sind willkommen, aber nicht erforderlich.

Geldspenden werden nicht erwartet. Die Sponsoren können die Geschenke und Briefe direkt an die Kinder schicken, die sie sponsern. Es gibt keine Zwischen­vermittler. Die Area Service-Koordinatoren stehen immer zur Verfügung, um die Fragen eines Sponsors zu beantworten oder mit einem Anliegen zu helfen. Wenn eine Familie besonders große Bedürfnisse hat, dann springt One Spirit an dieser Stelle ein und versucht zu helfen.

Manche Sponsoren entscheiden sich dafür, auch bei anderen notwendigen Anschaffungen zu helfen oder zusätzlich noch einen Beitrag zum One Spirit Lebensmittelprogramm zu leisten. Das ist jedoch eine individuelle Entscheidung und nicht Teil des Sponsoring-Programms.

Sponsoren, die sich langfristig für ihr Patenkind bzw. die jeweilige Familie engagieren, entwickeln oft eine dauerhafte und bedeutungsvolle Beziehung.

Im Moment gibt es eine lange Warteliste von Einzelpersonen aller Altersgruppen vom Baby über Schulkinder, Teenager, teilweise körperlich eingeschränkte Erwachsene bis hin zu Großeltern, die sich wiederum um ihre Enkel kümmern, die sich sehr über etwas Unterstützung durch einen Sponsor freuen würden.

Dabei möchten wir Ihnen als möglichem zukünftigen Sponsor ans Herz legen, dass im Moment gerade die etwas älteren Kinder (ab ca. 10-12 Jahren) und die Jugendlichen im Teenageralter sowohl ganz praktische als auch mentale und seelische Unterstützung brauchen. Häufig hatten oder haben diese Kinder eine schwere Kindheit und ihnen fehlt die Hoffnung und die Perspektive auf ein besseres Leben. Die Suizidrate unter den Jugendlichen, die auf Reservationen groß werden, ist alarmierend hoch. Sie sehen einfach keinen Ausweg und keine Hoffnung für sich.
Wenn man – wie viele dieser Kinder und Jugendlichen – einen Großteil seines Lebens von Armut, Trostlosigkeit, Arbeitslosigkeit und teilweise dazu noch von Alkoholismus und Diskriminierung umgeben ist, braucht man Unterstützung und eine helfende Hand, um überhaupt erst einmal wieder den Mut zu bekommen, für sich selbst ein besseres Leben aufbauen zu können.

Gerade den jungen Menschen am Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein hilft es zu wissen, dass sie und ihr Schicksal gesehen werden, dass sie wichtig für jemanden sind; ihnen hilft es zu wissen, dass es „da draußen“ noch eine Welt gibt, in der jemand an sie denkt und bereit ist, sie unterstützen. Vor allem für die älteren Kinder ist es  wichtig zu wissen, dass sie ES WERT SIND, dass man ihnen hilft und sie unterstützt.

 

So können Sie helfen


Füllen Sie die Sponsorencheckliste aus     

Das Ausfüllen der Sponsorencheckliste ist der erste Schritt, um Sponsor zu werden. Sobald wir diese Information von Ihnen vorliegen haben, leiten wir sie weiter an einen der Koordinatoren vor Ort. Falls Sie keine bestimmte Familie oder Person angegeben haben, die Sie unterstützen möchten, suchen wir für Sie eine Familie oder Person aus und teilen Ihnen die Adresse, Telefonnummer und wenn vorhanden, Email-Adresse mit. Sie können Sie bei Problemen oder Fragen jederzeit entweder an One Spirit Germany oder den Koordinator werden.

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